Samstag, 10. Juli 2010

Reisen/Kultur


Neuseeland ist ein Anziehungspunkt für Touristen. Die Anzahl der Deutschen hier ist vergleichbar mit der Holländerrate in Italien oder Spanien. Man glaubt gar nicht, dass es so viele überhaupt gibt.

Das Reisen wird einem leicht gemacht. Busgesellschaften gibt es in Hülle und Fülle, jeder Ort hat seinen ganz speziellen Touristenmagneten und die Wegfindung wird dadurch erleichtert, dass man entweder gegen oder mit dem Uhrzeigersinn um die Insel herum fahren kann.

Keine der Städte hat mich dabei wirklich überzeugt aber dafür ist Neuseeland ja auch nicht bekannt. DIe Natur hingegen bereichert das Reisen erst.

Al Gore drückte es so aus: „Es ist, als ob man aufatmet und sagt: Ja, das hatte ich schon völlig vergessen.“ Genau dieses Gefühl hat man oft beim Anblick, den die Natur einem hier bietet.

Selbstverständlich wird alles ausgeschöpft. Ein Großteil der Industrie lebt vom Tourismus und so sind Bungy-Jumpen, Zorbing und Skydive nur einige von zahllosen Möglichkeiten. Ähnlich wie die Freizeitangebote wird leider gelegentlich auch die Maorikultur plattgetreten. Plattgetreten in dem Sinn, dass sie für den Ottonormaltouristen tausendfach erzählt in aller Form von Speeren und Fischernetzen zu finden ist. Te Papa (Nationalmuseum) in Wellington ist zu empfehlen. Einmal dort gewesen, muss man meiner Meinung nach in kein anderes Museum mehr gehen.

Die Vielfalt an Kultur, wie sie uns in Europa geboten wird, ist hier unten nicht im Geringsten zu finden.


Danke


Wie vielen Menschen kann ich nur danken. Hier in Neuseeland und in Deutschland. Danke für Eure Mails, eure Anrufe, eure guten Gedanken oder sogar Besuche.


Liebste Vici, ich weiß nicht, wie mein Jahr ohne dich ausgesehen hätte. Wir hatten so viele schöne Momente zusammen und ich habe jede Sekunde davon genossen. Die letzten Tage haben mir gezeigt, wie sehr du mir fehlst. Ich liebe dich über alles.


Danke Mama, Rolfi, Oma Marianne und Paulinchen. Wie viele Karten, Geschenke und Anrufe habe ich von Euch bekommen. Wie sehr habe ich mich gefreut, wenn Paulinchen in den Hörer geschrien hat oder im Hintergrund lachte. Er fehlt mir und gerade an Paulinchen sehe ich, wie lange so ein Jahr doch sein kann.


Danke Papa, Georgy und Oma Brigitte. Dein Besuch mit Aaron vor einigen Wochen war wirklich schön. Es war ein tolles Gefühl ein Stückchen Heimat hier unten zu haben und Vici und ich haben die Tage zusammen mit Euch wirklich genossen.


Ihr ward immer für mich da und ich wüsste nicht, was ich ohne Euch machen würde.


Danke Familie Schuster, dass ihr Eure Tochter habt nach Neuseeland mitgehen lassen und ich weiß, dass es ein großer Schritt war. Und während diesem Jahr haben wir einige Male zusammen geskypt und vor allem Vici tat es wirklich gut.


Allen unseren Freunden kann ich gar nicht genug danken. Auch wenn man nur selten Kontakt hatte, war es immer toll zu wissen, dass dort Menschen sind, die einen unterstützen.


Selbstverständlich werden auch nicht alle restlichen Blogleser vergessen. Danke.


Am 22. Juli komme ich in Frankfurt an. Freue mich Euch wieder zu sehen.


Ich hoffe, dass ich euch auf unsere Reisen mitnehmen konnte und euch die Kulturen in der Ferne näher gebracht habe.


BYE BYE NEW ZEALAND.

Dienstag, 29. Juni 2010

INew Zealand Part III




Bildung


Puh. Wie habe ich mich auf diese Topic gefreut. Pisastudie? „Who cares...“ Vorausgeschickt sei allerdings, dass das Wanganui City College sicherlich nicht alle Bildungsschichten repräsentiert. Man was für ein Satz. Auf gut Deutsch: Hauptschulniveau. Und das ist nicht böse gemeint, sondern einfach Realität. Etwa 5% der Abgänger gehen zur Uni anschließend. Der Rest...?

Die Geschichten aus den verschiedenen Klassen würden ein Buch füllen. Lino, Breanna und ich haben wohl so ziemlich alles gesehen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Bildung. Eine Ausbildung zum Lehrer dauert hier etwa drei Jahre. Viele sind Quereinsteiger, was ich generell für sehr gut Halte einfach wegen der Lebenserfahrung.

Nicht gut finde ich das „Options - System“. Ähnlich wie bei uns in der Oberstufe können die Schüler ihre Fächer wählen. Mathe und Englisch müssen dabei nur auf einem Mindestniveau beibehalten werden. „Alles mal kommende Bauern.“, hieß es nach einer Practical Math Class der Stufe 11. Die Mathematik entsprach einer 5. Klasse. Ich sehe ein, dass nicht jeder ein Matheprofessor werden kann oder den Literaturnobelpreis gewinnen muss. Doch meiner Meinung nach wird viel zu viel Zeit vergeudet. „Crowd Control“ - ein Begriff, den Lino und ich wohl nie vergessen werden. Die Erziehung der Kinder wird von der Schule übernommen. Drogen, Alkohol. Jeden Tag werden Kinder nach Hause geschickt oder der Schule verwiesen. Wie gesagt. Unsere Schule mag ein Extrembeispiel gewesen sein. Doch ist sie sicherlich kein Einzelfall. Die Probleme der Gesellschaft werden auf die Schule abgewälzt. Der Lehrer soll Familie, Freund, Polizei in einem spielen. Genau an dieser Stelle kommen wir ins Spiel. Die Gapstudents. Unsere eigentliche Aufgabe: schwächeren Schülern helfen. Die Realität sieht anders aus.

Wir haben alle Problemklassen der gesamten Schule und sollen sie unter Kontrolle halten mit dem Lehrer, damit zumindest ein kleiner Lernprozess vonstatten geht. René unterrichtete Deutsch an seiner Schule und schrieb sogar die Examen für die Kids. Alexej übernahm den Musikunterricht an seiner Schule. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht auch eine tolle Möglichkeit ist, sich weiter zu entwickeln. Doch es fühlt sich einfach nicht richtig an.

Für die meisten unserer Jobs sind wir nicht ausgebildet und ein Gelingen des Unterrichts sollte nicht von 20 jährigen abhängen ohne eine entsprechende Ausbildung.


Eine ganze andere Sache ist das Finanzielle. Die Schule ist auf internationale Schüler aus Japan, Fiji oder Samoa angewiesen. 20 000 $ im Jahr. Das sind keine Peanuts. Kids aus aller Welt sind etwas wirklich tolles. Für die Schule und das Land ist es wohl das größte Geschenk. Doch dann sehe ich 7 Sekretärinnen den Job erledigen für 500 Schüler, den Frau Scharer für 750 erledigt hat.


Bildung ist den Neuseeländern also etwas Wert. Die nötige Ausbildung und das Krisenmanagement bleibt jedoch auf der Strecke. Da hilft es auch nicht die Lücken mit MAC Räumen zu füllen.


Arbeit/Sprache


Das liebe Englisch. Selbst am letzten Zipfel der Welt ist es angekommen. „Sweet as“, „Eyh couz“, „Watsupbroooo?“. Die ersten Monate hatte ich zu kämpfen. Zwar frage ich mich noch heute manchmal, ob ich einfach was an den Ohren habe oder die Neuseeländer einfach nur auf Highspeed umschalten, wenn es um Sprache geht. Schließlich ist Zeit ja auch Geld.

Der Kiwislang ist sicherlich nicht der schönste, wobei man auch unterscheiden muss zwischen dem - ich habe es so getauft - Maorigangsterslang. Man packe in einfach jeden Satz mindestens 2 x bro (= brother, schließlich stammen wir ja alle von Adam und Eva ab), 3 x sweet und beende einen jeden Satz mit eyh. Willkommen im Englischkurs Neuseeland.

Wenn einem zum ersten Mal ein Kiwi sagt, dass man einen neuseeländischen Akzent hat, weiß man nicht so ganz genau, ob man da jetzt stolz drauf sein soll oder besser ganz schnell an seiner Aussprache arbeiten sollte.

In der Schule ist es noch einmal eine Welt für sich. So wie bei allen Pubertierenden bildet sich ab einem gewissen Alter wohl das Sprachzentrum neu aus und man hat plötzlich Worte parat, die außer einer kleinen Auswahl an coolen mates, sonst wohl keiner versteht.

Damit ist für Fettnäpfchen, Peinlichkeiten, Lacher und Kulturschock gesorgt.

Viel helfen Bücher und Filme. Mein Sprachverständnis ist dadurch wohl auf seinem Höhepunkt angelangt.


Unsere Arbeit unterteilte sich in zwei Hauptaufgabenfelder. Die Schule und das Hostel. Während wir wie beschrieben in der Schule meist zwischen Kopierer und Rausschmeißer wechselten, durften wir im Hostel die Kinderchen „beaufsichtigen“. Von 20 am ANfang, sind es nur noch 10 und davon gerade einmal 5 Jungs. Die meiste Zeit beschränkte sich das „Beaufsichtigen“ auf herumsitzen, Präsens vorgaukeln und Arbeit vortäuschen. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, mir nicht irgendein höher gestecktes Ziel gesetzt zu haben. Wie z.B. alle Kartentricks auf Youtube zu lernen oder alle Filme mit dem Anfangsbuchstaben „A“ anzuschauen.

Wo man am Anfang des Jahres sich noch schwer tat „Strikes“ bei Fehlverhalten zu verteilen, fällt es einem immer leichter. Rauchen, Zuspätkommen, Fluchen, .... es gibt so viele Möglichkeiten Treppen putzend zu enden.

Mit gerade einmal ein paar Jahren zwischen den Kids und einem selbst, muss man sich die Autorität auch meist schwer erarbeiten.


Viele sehen uns aber als große Hilfe an. Eine zweite Autorität im Klassenraum oder als Entlastung für die Hostelmanager. Schließlich sind wir durch unser Alter auch quasi die Verbindung zwischen Schüler und Lehrer. Und man fühlt mit beiden oft mit.


Freitag, 25. Juni 2010

INew Zealand Part II

Natur/Umwelt


Gerade erst als wir Vici zum Flughafen gebracht haben, ist mir wieder aufgefallen, wie sehr ich mich doch an diese Landschaft gewöhnt habe. Das Postkartenbild existiert. Zwar wird es nach dem 1000. Foto und einer fünf Stunden Fahrt wie eingebrannt und zur Gewohnheit oder verblassen tut es nie.

Die Vielfalt an Vegetation ist einmalig. Ich kann nur empfehlen noch einmal eine „Herr der Ringe Trilogie“ - Nacht zu machen. Ja, das gibt es wirklich. Kein fake.

Durch Maoritraditionen wird die Natur auch ganz besonders behandelt und ist nicht einfach nur ein Lebensraum, sondern Teil der Menschen.

Kein Punkt Neuseelands ist weiter vom Meer entfernt als 130 km. Da können wir nur von träumen in Baden-Baden.

Nicht nur die Bildung (Landwirtschaft als Fach), das Fernsehen (Farmleben als Grundbestandteil der news) und die Nebenjobs der Kids (Kühe melken, Traktor fahren) zeigen wie viele Menschen von der Landwirtschaft leben und wie wichtig sie ist für das Land.


Steht man zum ersten Mal in einem Supermarkt an der Kasse und sieht der Kassiererin beim Einpacken der Lebensmittel so, meint man ihr gehöre persönlich eine Plastiktütenfirma. 1x Milch, 1x Chips --> 2 Tüten. Ist ja auch vernünftig - würde ja auch keiner zusammen zu sich nehmen.

Die Spritpreise liegen ungefähr bei 1,70 - nur eben in Dollars. Dementsprechend die Hälfte von deutschen Preisen und trotzdem wird sich beschwert.

Mülltrennung ist auch eher etwas für uncoole Ökos. Und wird ja eh alles wieder zusammen gemixt. Mochte Biotüten sowieso noch nie. Kennt ihr das, wenn die nass sind und sie dann reißen? Eben. Überflüssig.

Was die Umweltfreundlichkeit angeht befindet sich Neuseeland noch in den 60 er. Besserung scheint aber wohl in Sicht zu sein.


Sport/Musik


Gin Wigmore, The Black Seads, Fat Freddys Drop. Kennt ihr nicht. Kannte ich auch nicht. Neuseeländische Musik. Rap, Soul, Rock, Jazz oder Hip-Pop. Von allem ist etwas dabei. Straßenmusiker werden schon fast hochgefeiert und sind wirklich gut. Im Sommer gibt es immer wieder Konzerte und Bands treten regelmäßig in Bar(s) auf - also im Stellar.

In der Schule tragen einige Schüler ihre Gitarre ganz stolz mit sich herum. Mozart hat schließlich auch früh angefangen. Und einige sind schon kleine Jimmy Hendrixe.

Musik ist etwas das verbindet. In aussichtslosen Situationen noch viel mehr. Die Kids rappen und spielen Gitarre um ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen und ihre Seele sprechen zu lassen.


Übergewichtige Neuseeländer. Gibt es so etwas? Das Bild von einem Maori ist auch nach einem Jahr noch das Selbe: Gut gebaut, 2m groß, tätowiert, böse schauend. Dabei sind doch gerade die unsportlich aussehenden diejenigen die am Wochenende Leute beim Rugby durch die Gegend werfen.

Sport ist Neuseeland, Neuseeland ist Sport. Rugby, Netball, Cricket, Soccer, Golf, Karate, Reiten, Volleyball... einen Kiwi der keinen Sport betreibt, habe ich bis heute nicht kennengelernt.

Ich liebe die Namen ihrer Nationalteams: ALL BLACKS (Rugbyteam), ALL WHITES (Soccerteam), BLACK CAPS (Cricketteam), TALL WHITES (Basketballteam), BLACK STICKS (Hockeyteam)... ein Traum.

Da sage einer noch die Kiwis hätten keinen Humor. Die Spiele anzuschauen ist Pflicht. Nicht nur im Fernsehen sondern auch im kleinen am Samstag auf den Sportplätzen. Von 9-13 Uhr sind sie überbevölkert. Die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein. Montags im Staffmeeting geht es dann 10 min lang nur um Spielergebnisse.

Eine kleine Nation ganz groß.


Mittwoch, 23. Juni 2010

INew Zealand Part I




Es ist so weit. Wie oft habe ich mir vorgestellt meinen letzten Bericht zu schreiben. Wie oft habe ich mir vorgestellt, wo ich wohl am Ende dieses Jahres stehen werde. -Nicht wieder am Anfang. Nein. Verändert. Sehr wohl. Reif für die Heimat. Oh ja. -

Was haben Vici und ich nicht alles erlebt, gesehen und bereist. Was bleibt davon? Was ist von Bedeutung? Wie sehe ich Neuseeland heute? All dies versuche ich in einem abschließenden Bericht zu fassen.

That was New Zealand for me:


Meine Erwartungen


Bevor ich starte mit meinen verschiedenen Kategorien, fasse ich doch zunächst einmal das Bild von Neuseeland zusammen, dass ich vor diesem Jahr hatte und meine Erwartungen an dieses Jahr.

Wer kennt es nicht? Saftig grüne Weiden, von Hundertschaften von Schafen bevölkert. Gebirge unter Schneedecken versteckt von welchen aus man die Surfer am Strand beobachten kann. Eben ein typisches Postkartenbild. Herr der Ringe sei Dank.

Sicherlich war mir auch die Lage Neuseelands bekannt. Am Popo der Welt. Einmal auf die andere Seite bitte.

Meine Vorstellung von der Schule....? Hmm.... sofern ich eine hatte, war sie sicherlich komplett anders, als was mich erwartete. Die Kids stellte ich mir als wohlerzogene englische Highschoolschüler vor. DIe Stadt wohl eher als verschlafenes kleines Dörfchen.

Es hat mich in die Ferne gezogen. Selbstverständlich wollte ich mein Englisch aufbessern und verrückter Weise sollte es schon immer Neuseeland sein.

Ich wollte erleben, leben, etwas Neues entdecken. Nicht nur am Land. An mir selbst. Wie es meine Blogüberschrift bis vor kurzem beschrieb: Einen Traum leben.


W(h)anganui


Die große Bucht. Eine Stadt mit zwei Gesichtern. Bis heute glaube ich, dass es wenig andere Plätze in Neuseeland gibt, die das Land so zusammenfassen, wie es die an der Südküste der Nordinsel gelegene 50 000 Seelenstadt tut.

Als ich ankam im August letzten Jahres war es Winter. Einer der kältesten und verregnetsten seit 1945. Die touristische Seite ist schnell abgehakt. Auch nach der 20. Stadtführung für unsere zahlreichen Gastfreunde dauerte es kaum länger als einen Tag um Wanganui‘s schönste Seite zu präsentieren.

Zum geschichtlichen: Sie gehört zu einer der Gründungsstädte Neuseeland und ist dementsprechend „alt“. Etwa 50 000 Einwohner hat sie. Ihren Namen verdankt sie Ihrer Lage am Whanganui River. Dem größten Fluss Neuseelands.

Es ist kalt hier. Immer noch oder besser gesagt wieder. Von Wärmedämmung halten die Kiwis nicht viel. Sind eben doch en‘ paar ganz harte Kerle.

Wanganui und Nachtleben lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Stellar. Das Restaurant, die Bar, die Dorfdisko. Mehr gibt es nicht. Kupe kennt ungefähr jeden 2. und ist mit den andern 50% dort verwandt. Mir fallen nur die Schüler auf und daher meide ich den Laden auch.

Der Strand... Hmm... Jetzt mag ich doch viele Strandfotos hier reingestellt haben. Nicht mehr als 3 waren vermutlich vom Wanganui Beach.

Zum surfen? Alle 6 Wochen hat es Wellengang. Zum Baden? Zu kalt. Zum genießen?... Zu viel Dreck vom Fluss wird angespült.

Vulgär doch trifft wohl die Meinung einiger über Wanganui: „What a shit hole.“

Viel Kriminalität, Drogenprobleme und Vandalismus. Eine andere Seite von Neuseeland. Vorteil? Touristen sieht man selten. Das habe ich genossen.


Menschen


Mein Bild vom Frankfurter Flughafen bei der Ankunft: Menschen in Eile, keiner interessiert sich für den anderen, alles muss schnell gehen und wehe wenn nicht, ein Lachen gehört zur Seltenheit. Emotionswüste.

Nicht hier unten. Ob es die geringe Zahl von nur 4 Mio. Einwohner ist oder die vielen Touristen, die das Land das ganze Jahr über bevölkern.

Man ist relaxt hier in „down under“ und das gefällt mir. Es kann bei der Post auch gerne mal 30 min dauern - keiner würde auf die Idee kommen, sich zu beschweren. „How are you?“ - „How is it going?“ - die wohl meist verwendete Floskel. Erst seit kurzem höre ich auf drauf zu antworten. Was haben wir nicht darüber diskutiert, ob Floskel oder Freundlichkeit. Es ist wohl beides.

Die Menschen sind mit weniger zufrieden hier, so hatte ich den Eindruck. Der Druck und das schnelle Leben aus Deutschland oder Europa haben es noch nicht erreicht, das kleine Land der Schafe.

Sie sind Stolz auf ihr Land und so wurden auch Unendschieden der Fussballer, wie ein WM-Titel gefeiert. Das gefällt mir.

Sicherlich gibt es gerade in Wanganui auch einige Spinner und griesgrämige Herrschaften. Doch in diesem ganzen Jahr kann ich mich kaum an eine Situation erinnern, inder ein Neuseeländer nicht hilfsbereit, zuvorkommend und freundlich gewesen sei.

Davon können wir einiges lernen.


Dienstag, 15. Juni 2010


VICI KOMMT !!!

Sonntag, 13. Juni 2010





Aufbruch in Vorfreude, Veränderung ins Gewohnte, im Gewohnten – das Fremde ist einem gar nicht mehr so fremd. Und bekanntlich will der Mensch ja immer, was er nicht haben kann.

Kein zurück gibt es mehr. So ungefähr erscheint es einem, wenn man seinen Abschied von Wanganui plant. Keiner von uns beiden wird in den nächsten Jahren vermutlich noch einmal hier her kommen. Und schließlich haben wir doch einige Menschen lieb gewonnen.

Das Gefühlt ist schwierig zu beschreiben. Manchmal kommt es mir vor wie eine andere Welt. Ich schreibe, telefoniere oder denke an Euch. Doch es scheint so weit weg zu sein. Die Insel auf der man lebt, hat man gelegentlich auch in Gedanken. Wie eine zweite Welt erscheint es mir.

An so vieles kann ich mich noch aus dem letzten Jahr erinnern und es erscheint mir, als sei es schon vor Jahren gewesen. Abi am MLG, die Seminare für Neuseeland, der Abschied, der Abflug von Frankfurt...

Die Menschen mit denen Vici und ich jeden Tag zu tun haben, sind keine Fremden mehr. Einige sind Freunde geworden.

Ein bisschen kann man es manchmal mit Achterbahn fahren vergleichen oder einem Traum, bei dem man nicht weiß ob er real oder fiktiv ist.

Die Zeit verging nicht schnell. Dieses Jahr war ein langes. Und wenn ich mir vor Augen führe, wie viel in 10 Monaten passiert ist, wie viel sich verändert hat – nicht nur hier – sondern auch bei Euch, dann ist es oft erschreckend. Erschreckend schön aber auch einfach nur erschreckend.

Wenig lässt dich so erwachsen werden, wie reisen. Es ist eine schöne Art Erfahrungen zu sammeln, eine sehr wahre, eine lebensnahe und kompakte Art und Weise.

Ich habe einiges über mich selbst gelernt und viel über andere. Ganz plötzlich nimmt man vor allem seine Herkunft ganz anders wahr. Noch nie habe ich so viel über Deutschland, Europa oder Baden-Baden gesprochen und nachgedacht.

Versucht mal das Deutsche Steuersystem zu erklären, die Probleme der europäischen Union oder warum wir Toast nicht für richtiges Brot halten?

Eine der ersten Dinge, die ich nach zu holen habe, sind Bilder von Baden-Baden zu machen. So vielen wollte ich schon das MLG, den Leo oder die Eckbergstraße zeigen.

Ein abschließendes Urteil wird noch folgen. Über einiges vermag ich nicht zu urteilen.

Ganz langsam kommt wieder der Drang etwas Neues zu beginnen. Etwas Neues zu beginnen, etwas Größeres bewegen zu dürfen, Neues zu entdecken, zu Altem zurück zu kehren.

Am Mittwoch fliegt Vici zurück nach Deutschland. Schon morgen ziehen wir aus dem Haus aus mit Kupe. Für die kommende Zeit wohnen die beiden im Hostel mit uns. Kupe wird Linos und meinen Job übernehmen, sobald wir weg sind. Was danach, wer weiß es.

Mein Auto steht zum Verkauf. Nett sind vor allem die SmS die einen den Tag über so erreichen von potenziellen Käufern. „Hey, wondered if 1450 wld be k for y car, 2“.... öhhh... erst wenn du dir vorher ne richtige Tastatur gekauft hast.

In der Schule ist der normale Wahnsinn. Der gute Wille zählt. Und schließlich verändert man ja auch im Kleinen etwas. So z.B. bei lieben Shangtai, der wohl bis letzte Woche glaubte, es gäbe den 32. Mai.

Vici hatte ihren letzten Arbeitstag und kurz darauf auch heraus gefunden, dass sie ihre 1100 $ Steuern wohl nicht mehr wieder sehen wird. Waren sie länger als 180 Tage in Neuseeland. Ja. ----

Während die meisten von Euch vermutlich schon ihre Sonnencrème gesucht haben und zur Grillsaison bereit stehen, werden hier die Apothekenbesuche häufiger und die Teebeutelsaison ausgerufen.

2x morgens, mittags, abends und nachts. Jede der Tabletten enthält 500mg Paracetamol. Sollten sie nach 3 Tagen keine Besserung verspüren, suchen sie bitte einen Doktor auf. Nah, wer nach 4g Paracetamol am Tag überhaupt noch was spürt, sollte wirklich den Doktor aufsuchen.

Neuseeländisches Verständnis von Homöopathie.

Gestern hatten wir einen tolles Abendessen mit dem lieben Pete. Ein Mathelehrer aus der Schule und mittlerweile ein guter Freund von uns. Einen Menschen, den wir wirklich vermissen werden.

2 ½ Tage noch für Vici. 37 Tage für mich.

Dienstag, 8. Juni 2010

Kupes Ode an die Kunst:

Samstag, 29. Mai 2010







8 Marathonläufe, 1x Weihnachten feiern mit anschließendem Weihnachtsfeiertag, 2x von Baden-Baden nach Berlin fahren und wieder zurück, 2,5 x die Herr der Ringe Triology anschauen... so viel kann man in 30 Stunden machen. Warum nicht einen Flug nach Neuseeland nehmen. Gute Filme, nettes Essen (Chicken or Beef?) und ein bisschen Sardinenbüchsenfeeling.

Gefahren haben Sie auf sich genommen, Schürfwunden an den Knien ließen sie nicht weich werden. Tapfer haben sie es nach Neuseeland geschafft. Aaron und mein Papa sind angekommen.

Nach knapp 10 Monaten ist es schon ein komisches Gefühl, wenn man dann am Flughafen wartet. Vor allem am Wanganui Airport. Bis zu letzt waren wir uns nicht sicher, ob sie denn nun wirklich den richtigen Flughafen ansteuerten. Nicht zu erwähnen, dass wir mal wieder 3 Stunden zu früh am Flughafen waren.

Doch außer das Aaron in die Höhe geschossen ist, hätte es fast gestern sein können, als wir uns das letzte Mal gesehen haben.

Nachdem uns die beiden doch bei der Umarmung schon auf der Schulter einschliefen, ging es schnell ins Hotel.

Hauptaufgabe am ersten Tag heißt immer: WACH BLEIBEN.

5 Tage Neuseeland bitte. Man glaubt gar nicht, was man in einer so kurzen Zeit alles sehen kann.

Am ersten Tag gab es eine Wanganui-Stadtführung und wir zeigten den beiden meine Schule, das Hostel, das Indigo, Vicis Haus und den Strand.

Aaron glänzte dabei mit „blog-wissen“. Vorbildlich. So stelle ich mir das vor. (hehe)

Etwas geschockt schauten sie nur bei der Reisetasche, die für sie schon gerichtet worden war von mir.

Entspannung gibt es nicht bei 5 Tagen. Daher ging es schon am Dienstag rauf nach Rotorua früh morgens. Schließlich sahen wir auf dem Weg den National Park, alle Extremsportarten Neuseelands, heiße Quellen, Schlammbäder, 200 Cafés und 2 Kiwis.

Vici und ich wirkten schon fast wie Einheimische, bzw. Auswanderer.

Aaron versuchte sich am Rekord der Radschwebebahn, da ihm Bungy und Fallschirmspringen verboten wurde. Man muss klein anfangen.

Sowohl die Lehrer, als auch die Leute im Hostel haben mich alle dazu gedrängt frei zu nehmen für die kommenden Tage und übernahmen meine Duties. Vielen lieben Dank. Nachdem auch Vici frei bekam vom Indigo stand den letzten 3 Tagen Abenteuer ja nun nichts mehr im Weg.

Den Süden hatten wir vom Reisekompass gestrichen. Den Norden hatten wir nun bereits bereist. Blieben noch Osten und Westen. Also ging es zunächst einmal nach New Plymouth. Einmal komplett um den Mt. Taranaki bitte. Und wir sahen ihn kein einziges mal. Leider regnet es seit Sonntag fast durchgehend und in strömen. Aber wir lassen uns die Laune ja nicht verderben.

Der erste Starbucks in New Plymouth war schon was ganz besonders. Wer meinen Vater kennt, kennt auch seine Kaffeesucht.

Aaron und ich wurden zu Bergsteigern und zusammen aßen wir „Best Burger No.2“ in Neuseeland.

Nachts und im Regen ging es wieder nach Wanganui.

Nur der Osten blieb uns noch. Der Südosten. Und schließlich wollten wir Aaron auch endlich einmal seinen Wunsch von Herr der Ringe erfüllen. Also ging es nach Wellington und wir machten eine „kleine“ Herr der Ringe Tour von vier Stunden rund um Wellington herum.

Vici zog durch die Straßen indessen. Wer kann es ihr verübeln. Mein Vater hatte Herr der Ringe auch noch nie gesehen, lies sich aber darauf ein.

Nun stelle sich man einmal 3 dicke Amerikanerinnen (keine schwere Vorstellung – haschn?), 2 bis heute undefinierbare Landsmänner und 3 Deutsche. Alles zusammen stehen sie mitten im Wald auf dem Mt. Victoria um einen Mann herum, der mit dem Laptop in der einen Hand und dem Zeigefinger der anderen Hand in den Wald zeigend, von Hobbits redet.

Für die meisten Spaziergänger war es wohl Alltag. Nichts desto trotz kam einem doch manches bekannt vor.

Mein Lieblingsbild: Die „Gebrochene Karotten Szene“ nachstellen aus dem ersten Film. Hobbits auf der Flucht, rollen einen Hügel runter und landen unten unsanft auf dem Weg.

Unglücklicherweise war ich Pippin und Pippin lag nun einmal ganz unten. Ich habe den Satz des Guides noch im Kopf: „Hättest du dir das träumen lassen heute morgen, dass du unter drei Amerikanerinnen liegst. Was der Tag nicht alles bringt.“ Mehrere gebrochene Rippen, wollte ich grade rufen, als mir die Luft ausging. Vici hätte auf alle Fälle was zu lachen gehabt.

Getopt wurde das ganze nur noch vom Schwarzen Reiter. 3 Freiwillige bitte. Warum melde ich mich bei so Sachen auch immer. Wir brauchen ein Pferd. Mir war von Anfang an klar, welche Rolle ich dabei einnehmen würde. Und schon hatte ich ein schwarzes Seil am Gürtel hängen. Kann der Pferdehintern bitte etwas aufrücken...

Schönes Bild wurde es aber. Wer sich an das Pferd des schwarzen Reiters erinnert aus dem ersten Film, welches auf dem Waldweg die Hobbits verfolgt: Sein Name ist Bob.

Schon einmal haben Vici und ich die Weta Caves in Miramar besucht. Rein konnten wir immer noch nicht. Dafür fuhren wir an etlichen Studios vorbei und er zeigte uns die Hallen, in denen Ende diesen Jahres „Der Kleine Hobbit“ gedreht werden soll. Knapp 600 Leute werden nur dafür eingestellt von Weta und anschließend wieder entlassen.

Mein persönlicher Lieblingsberuf. Planespotter. Ein Angestellter sitzt quasi den ganzen Tag auf einem Hügel mit Funkgerät und Fernglas und meldet größere Jets. Daraufhin werden dann die Dreharbeiten gestoppt. Nachteil eines Flughafens und eines nicht perfekt Schalldichtem Studios.

Film ist Magie. Und es ist unglaublich wie viel Arbeit im Detail steckt und wie viel heute möglich ist.

Einen kleinen Blick auf das Set von Avatar konnten wir aber doch noch erhaschen. Aber psssst.....

Zum Abschluss gab es gestern noch ein schönes Mittagessen mit den 4 Lehrern, die mich hier begleitet haben und mit denen ich befreundet bin. Pat, Tash, Grant und Pete.

Natürlich haben wir alle herzlich nach Deutschland eingeladen. Also macht euch auf neuseeländischen Besuch gefasst.

So schnell geht die Zeit vorbei. Wir erinnern uns noch daran, dass wir eine Mail bekommen haben, in der das Flugdatum für die beiden stand. Mai. Eine verdammt lange Zeit schien es zu sein. Und da sind wir.

War schön mit Euch beiden. Habt einen guten Flug.

18 Tage für Vici. 54 Tage für mich.

Sonntag, 16. Mai 2010


Vor einem weißen Blatt sitze ich, das sich so langsam mit Buchstaben füllt. In gerade mal zwei Seiten versuche ich mein Leben zu verpacken, in Zahlen, Daten und Fakten. Das ganze belegt durch hochlobende Worte meiner Arbeitgeber oder Lehrer. In wenigen Worten versuche ich zu beschreiben, wie sehr ich an einem Fach hänge, dass so vielseitig ist, dass sich Kulturen über Jahrtausende damit beschäftigt haben. Welches die Kultur an sich darstellt.

Karl Friedrich von Weizsäcker hat einmal gesagt: „Philosophie ist die Wissenschaft, über die man nicht reden kann, ohne sie selbst zu betreiben.“ Philosophie. Ein großes Wort, wie ich finde. Für mich das größte Geschenk, dass den Menschen gemacht werden konnte. Philosophie ist Freiheit. Philosophie ist das Leben. Philosophie bist du alleine mit der Welt.


Warum leben wir? Was macht uns Menschen aus? Welchem Zweck dienen wir? Gibt es Gott? Was ist real, was Illusion? Was macht unsere Gesellschaften von heute aus?

Die Liste der Fragen ist unendlich lang. Was die Philosophie so einzigartig macht, ist die noch viel längere Liste der Antworten.

Dabei sind es oft doch Vorschläge, Ansätze, Versuche der Erklärung. Nicht mehr oder weniger. Genau das ist es, was ihr die Freiheit verleiht.


„Die Liebe zur Weisheit“. Ist die Weisheit denn nicht das ewig gejagte Gut von uns, dass wir doch nur verehren, nie besitzen, können? Es ist die Reinheit der Gedanken. Es ist die Erfahrung des Lebens, die Liebe zur Schönheit und das Streben nach Gewissheit. Nicht nur der verehrte Herr Faust musste dies erkennen, mit all seiner Studien.



Trotz meines junges Lebens bin ich schon in der Welt herum gekommen. So viele schöne Plätze habe ich gesehen, so viel Freundlichkeit von Menschen erfahren, so oft habe ich einfach nur gestaunt.



Die Welt ist komplex und lässt sie sich doch auf das Wesentliche reduzieren. Ich wage nicht, sie erklären zu können oder sie vollkommen zu verstehen. Doch ich kann danach streben und nur immer auf das Neue staunen, über die Gaben, die unsere Welt bereit hält.

Ich kann Gemeinsamkeiten suchen und sie finden. Sie mit anderen Menschen teilen und die Schönheit für sich selbst sprechen lassen.




Leider wird unser Denken immer eindimensionaler. Wir erlauben uns keine Freiräume mehr, um die eigentlich doch essenziellen Dinge des Lebens zu betrachten. Jeder lebt mit seiner Droge. Tag für Tag. Sei es das liebe Geld, die Karriere oder das Auto, welches besonderer Pflege bedarf. Wir finden Entschuldigungen. Erfinden Sie. Wir meiden die Zeit alleine. Wir gehen Ihr aus dem Weg, wie unserem eigenen Schatten, den wir versuchen zu vergessen, weil er uns Angst bereitet und der uns doch immer begleitet.


Den Lebensweg eines Menschen vergleiche ich gerne mit einem Pfad im Wald. Immer wieder kommen wir an eine Abzweigung, bei der wir uns entscheiden müssen, welchen Weg wir einschlagen möchten. Menschen begegnen uns auf dem Pfad. Manchmal gehen sie ein kleines Stückchen mit uns. Für eine kurze Zeit begleiten sie uns, selten für länger. Gelegentlich kommt uns jemand entgegen und warnt uns vor dem vor uns liegenden Weg. Einige wollen uns sogar abdrängen. Links und rechts: Bäume des Lebens. Geschichten könnten sie erzählen, würden wir hinhören.

Was hinter uns liegt? Die Vergangenheit. Ein Pfad, bergauf, bergab. Immer verschwommener erscheint er, umso weiter wir gehen. Und an einigen Stellen scheint das Licht durchzudringen durch das dichte Geäst der Bäume des Lebens.

Was vor uns liegt? Geschichten hört man. Von weiten Ebenen, wo noch kein Baum je gewachsen und kein Mensch je gewesen sei.

Keiner kann es mit Sicherheit sagen.

Was macht die Philosophie denn nun in diesem Wald? Sie ist versteckt, und doch für jeden sichtbar. Sie bildet das Wurzelwerk. Sie hält den Wald zusammen, verbindet die Bäume, gibt Ihnen Energie. Sie übersteht die Zeit und wächst mit Ihr.


Ab und an rasten wir. Die Vögel singen, die Blätter rascheln, Rehe springen über den Weg. Wir sehen und hören es alles. Nehmen wir es wahr? Was sind unsere Augen und Ohren nichts anderes als der Versuch die Welt kennen zu lernen. Ihre Schönheit zu genießen.

Unsere Sinne verstehen nicht alle Sprachen. So tut es doch unser Herz, wenn wir es lassen. Lasst uns bei der Rast die Gedanken schweifen lassen. Hört ihr das Knarzen der Bäume? Den Boden auf dem ihr steht, der euch trägt und nicht fallen lässt? Er stellt keine Erwartungen an Euch.

So wie der Mensch doch immer auf der Suche ist, soviel übersieht er auch auf seinem Weg.


Warum genau denn nun die Philosophie?

Sie ist für mich nicht nur das Wurzelwerk unseres Waldes. Für mich ist sie mehr. Die Schönheit Ihrer Logik, das Gedankenspiel, der Traum von Größerem, Realität geworden. Es ist die Jagd nach der Erkenntnis und das Wissen Ihrer Unerfüllbarkeit. Ideensammler möchte ich werden. Ruhepol für Suchende.

Dafür will ich das Werkzeug erlernen. Den Weg der Großen verfolgen. Meinen Eigenen weiter gehen.


Samen will ich pflanzen auf den weiten Ebenen, wo noch kein Baum wächst und kein Mensch je gewesen ist.

Entdecken will ich die Welt und mein Schatten soll mein bester Begleiter werden.



Montag, 10. Mai 2010




Wie anders ist anders? Ziemlich anders.

Neuseeland hat für den Durchschnittstouristen wohl einiges zu bieten. Da kann man sich einfach nicht beschweren. Das Land für einige Wochen zu bereisen, lohnt sich auf alle Fälle. Hier zu leben, ist jedoch etwas völlig anderes. Aus Traum wird eben doch Wirklichkeit. Und vor der steht man jeden Tag in Form einer Schulklasse oder in Form von zahlenden Gästen im Restaurant.

Versteht mich bitte nicht falsch. Wir haben uns hier prächtig eingelebt. Haben so etwas wie einen Bekanntenkreis aufgebaut, mit Kupe einen Freund gefunden, Vici hat ihr eigenes „Reich“ und die Arbeit in der Schule überfordert mich nun wirklich nicht. Wir unternehmen einiges und schließlich bekommen wir ja auch regelmäßig Besuch.

Und irgendwie zählt man dann doch die Tage. Am Anfang stolz die Wochen, die man schon in Neuseeland verbracht hatte, irgendwann die Monate und schließlich die Tage bis zum Abflug. Immer öfter hört man sich plötzlich sagen: „Oh sorry, I won’t be here then.“

Es ist noch zu früh, um ein wirkliches Fazit ziehen zu können, doch früh genug um zu sagen, dass wir wohl beide nicht hier leben könnten. Dazu sei gesagt, dass ich hier noch keinen „Langzeittouristen“ getroffen habe, der dies von sich behauptete.

Es ist nun einmal einfach am A**** der Welt. Und ja, das merkt man. Die all zu verhassten Steuerprobleme Deutschlands oder der spießige Herr Westerwelle im Fernsehen? Man vermisst diese Nachrichten (gut, vielleicht nicht Herrn Westerwelle), man vermisst das Große. Auch hier gebe ich zu, dass Baden-Baden sicherlich nicht zu den Weltzentren gehört. Doch immerhin weiß man doch wo Amerika liegt und wie lang ein Meter ist.

Ich bringe dieses Beispiel gerne: Versuche mal von Neuseeland aus das nächste große Nachbarland zu erreichen. Richtig. Australien. 2500 km. 3 Stunden Flug. Da bist du einmal, über komplett Europa geflogen.

Einiges haben wir gelernt. Eines davon ist, wie gut wir es doch in Europa haben. Und ich habe mich selten so verbunden gefühlt mit Europa, wie ich es hier tue.

Was macht ein Amerikaner nach seinem Highschool-Abschluss? Er macht eine zweiwöchige Tour durch 20 Länder Europas. Mehr oder minder eine ausgedehnte Busfahrt.

Wovon träumen erwachsen werdenden Kiwis? England. Einmal ein Chelsea Spiel live im Stadion sehen.

Sie sind stolz hier. Stolz auf ihre „Geschichte“. Und ja die „“ sollen da sein und ich kann nicht ohne ein schmunzeln davon reden. Ein Land, das 150 Jahre alt ist, kann ja schließlich nicht anders. Die Maorikultur wird hochgepuscht. Zum Touristenrenner gemacht. Speere, Pfeile, Häuser, Boote, Decken, Netze... alles was das Kultur (be)dürftige Herz begehrt.

Na aber, aber Herr Siehl. Ist es denn wirklich so schlimm?

Wer denkt, ich möchte Neuseeland schlecht reden, der versteht mich falsch. Oft denke ich an die Worte von Sarah beim Seminar letzten Sommer in Deutschland. Das Kulturschockmodel. Es existiert. Wir sind verdammt noch mal verwöhnt. Und anders ist dann nun meistens eben in unseren Augen schlechter.

Die Menschen sind nett. Mehr sogar. Sie sind freundlich. Was man von der Mehrheit der Deutschen leider nicht behaupten kann. Von der Lockerheit könnten wir uns etwas abschneiden. Aber alles ist relativ.

Das Wanganui City College und Wanganui als solches ist wohl besonders. Hohe Kriminalitätsrate, hoher Anteil an Maoris, viel Drogenkonsum.

Im Lift der Schule hat ein Schüler geraucht, an die Wand eines Klassenzimmers wurde Graffiti gesprayed, fünf kids kamen völlig stoned in die Schule.

Es ist nicht die Schule, nicht das System. Es ist die Gesellschaft. Sie erlaubt Ihnen das, unterstützt es und entschuldigt es. Gangs, Armut, Faulheit, Stolz...

Hier zu leben? Wir könnten es nicht. Eine unvergessliche Erfahrung? Definitiv.

Mittwoch, 5. Mai 2010





Der Countdown läuft. 42 Tage für Vici, 77 für mich. Das ist nicht mehr lange. Also macht euch bereit. Wir kommen bald.

Die letzten beiden Wochen ist neben Essen servieren im Indigo und Kinder drangsalieren im City College selbstverständlich auch noch so einiges passiert.

Semhar kam letzte Woche mit dem Bus in Wanganui an. Erschöpft von ihrer Weltreise, die sie schon nach Eritrea (ihr Heimatland), Thailand und Australien geführt hatte. Da kommt ein wenig Urlaub im eher ruhigen Wanganui natürlich gerade recht.

Wir hatten Spaß zusammen und die verrückte Semi weiß schließlich auch, wie man jeden Tag aufs Neue den lokalen Supermarkt abzockt. Keine Macht den Großkonzernen!!! Jetzt hätte sie nur noch in den 70 er geboren werden müssen.

Was macht man denn mit Mitarbeitern, die dauerhaft krank sind, vermutlich einen zweiten Job am laufen haben und nicht wirklich glaubhaft wirken? Richtig! Man lässt andere dafür schuften. Gut werdet ihr sagen: Immerhin hat Vici dann was zu tun. Und so kann sie sich ja auch schon an 40 Stunden/pro Woche gewöhnen. Ich persönlich tippe ja darauf, dass Vici mehr Steuern am Ende zurück bekommt als ich in dem ganzen Jahr verdient habe. Aber das ist ja nur gerecht. Die hart arbeitenden Frauen müssen gefördert werden.

Und schließlich ist Vicis Hefezopf und ihre Berliner einfach ein Traum.

Am Freitag ging es für mich und Alexej nach Havelock North. Einem kleinen aber feinen Örtchen an der Ostküste, nicht weit entfernt von Hastings und Napier.

Dort lebt der liebe René. Auch gerne Seb 2 genannt. Bei so viel Ähnlichkeit ist das erlaubt.

René arbeitet dort auch an einer Schule aber einer vergleichsweise reichen Privatschule. Year 1-8, Kinder im Alter von 6-13, wohingegen Alexej und ich Year 9-13 haben. Im Allgemeinen zählt Havelock wohl zu den reichsten Orten in Neuseeland. So viele europäische Protzautos wie dort habe ich das letzte Mal vor dem Brenners in Baden-Baden oder auf der Goethestraße in Frankfurt gesehen.

Dafür darf der liebe René auch ganz schön schuften. Da sieht selbst Vicis Arbeitspensum arm dagegen aus. Die „Boys school“ erlaubt ihm auch Deutsch zu unterrichten, was ich persönlich richtig gut finde. Nachdem Lino und ich uns das ja auch schon für unser College als AG überlegt hatten.

Die Ostküste ist ein schönes Fleckchen. Viele Sonnenstunden, tolle Landschaft, Weingüter, Imkereien und die Käsefabrik sei nicht zu vergessen. Seb 2 hatte ein tolles Programm für uns aufgestellt und uns rauchte der Kopf am Ende vor lauter schöner Eindrücke.

Kennt ihr das, wenn man so müde ist, dass man einfach über alles lacht? Wir konnten einfach nicht mehr. Karten spielen war noch nie so lustig. Am Ende sprachen wir im Kino einfach nichts mehr miteinander, weil es sowieso nur in lautstarkem Gelächter geendet hätte. Da erinnere ich mich auch noch an Rambo mit Gerrit. Wir lagen drin vor lachen, ne?

Alexej, der sich einen nackten Mann hinter dem Kinovorhang vorstellte oder Posaunen mag, Rene der verzweifelt versuchte beim Kartenspiel zu be******** und Seb, der immer nur verlor, weil er die Zeichen nicht sah.

Wir sind Freunde geworden. Die beiden sind mir ans Herz gewachsen. 3 Wochen Seminar in Deutschland und fast ein Jahr in Neuseeland schweißen zusammen.

Nachdem René auch noch Psychologie in Heidelberg studieren möchte, ist natürlich alles vorbei.

In einem Jahr kann so einiges passieren. Opa Heinz ist gestorben, Oma Marianne war im Krankenhaus, Tiger ist in der ersten Woche gestorben, Paulinchen geboren, Zoe hat schon Konfirmation und jetzt ist Tantchen auch noch gestorben. Manchmal kann ein Jahr schon lang sein.

Montag, 3. Mai 2010




Zur Abwechslung dachte ich, dass ich euch mal nach eurer Meinung frage:
Schließlich geht es bald an das Bewerben und dafür hier mal ein Motivationsschreiben für Psychologie. Alle Vorschläge zur Verbesserung sind gerne gesehen.

Ein Zugreisender mit großen Plänen:

Wie kommt man auf die Idee Psychologie zu studieren. Na gut mögen sie sagen. Da gibt es genügend Gründe und vermutlich vor allem Hintergründe.

Das Helfersyndrom von dem ich bei mir gar nicht erst anfangen möchte. Die Arbeit mit Menschen, wobei man diesen wohl schlecht aus dem Weg gehen kann. Somit von mir auch gern als die Begründung für meinen Supermarktjob herangezogen.

Da wäre schließlich auch noch die all zu beliebte Selbstfindung. Doch vermutlich wird man sich viel eher verlieren, bevor man sich ganz wo anders wieder als Suchenden wahrnimmt.

Meine Motivation für Psychologie: Bahnhöfe. Wenn es nach mir geht die schönsten Plätze auf dieser Welt. Bahnhöfe. Sicherlich haben sie es neuerdings nicht mehr so leicht gegen die auch sehr reizvollen Flughäfen anzukommen. Doch ich bleibe bei meiner Liebe für die Zugstationen.

Nicht nur Menschen aller möglicher Herkunft findet man hier, sondern auch Menschen in jeder Gemütsverfassung. Begrüßungen, Abschiede, Vorfreude, Wut, Spaß, Frust, Erleichterung, Ausgelassenheit, Offenheit, Zuversicht, Hoffnung und nicht zu letzt die Liebe. Gut, mögen sie sagen. Das kann ich auch wo anders erleben. Wo?

Als erfahrener Zugfahrer kann ich Ihnen nur sagen, dass es nichts schöneres gibt, als einen verspäteten Zug. Die Emotionen, die eine umspringende Anzeigetafel und eine sanfte Frauenstimme aus den Lautsprechern auslösen kann ist enorm.

Der Mensch ist kompliziert und wird doch so oft auf seine Triebe reduziert. Die wir doch nicht zuletzt oft genug versuchen zu unterdrücken.

Haben sie schon einmal in einem Zug gesessen mit 200 Fussballfans? Sofern sie einer davon sind, bitte ich um Verzeihung für meine fehlende Begeisterung an diesem Sport. Daneben ein altes Pärchen händchenhaltend mit zufriedenem Gesichtsausdruck, vorne eine Frau, die verzweifelt versucht zu telefonieren und ihrem Partner die Verspätung zu erklären. Nebenan drei Jugendliche in dunkler Kleidung und buntem Haar. Direkt hinter mir ein Bauarbeiter, der im Schlaf murmelnd eine Geschichte erzählt. Für den einen der Moment den MP3-Player zu zücken oder gar doch noch das interessante Kapitel im aktuellen Roman fertig zu lesen. Doch was gibt es spannenderes als Menschen?

Nennen sie mich einen Sammler. Einen Sammler von Emotionen. Einen Sammler von Situationen, einer der das Leben versucht erklärt zu bekommen.

Die Seelenkunde. Psychologie. Die Beobachtung ist der Anfang, das Verstehen der Weg und das Erlernen das Ziel. Den Anfang habe ich gemacht. Den Weg werde ich mein Leben lang beschreiten, das Ziel ist seit Jahren gesetzt.

Sagt nicht: „Ich habe den Weg der Seele gefunden.“

Sagt: „Ich bin auf meinem Weg der wandernden Seele begegnet.“

Denn die Seele wandelt auf allen Wegen.

Die Seele geht keinen geraden Weg, noch wächst sie wie ein Schilfrohr.

Die Seele entfaltet sich, gerade so wie ein tausendblättriges Lotos.

... Ihr möchtet mit euren Fingern den nackten Leib eurer Träum begreifen.

Und das ist auch richtig so.

(„Der Prophet“-Khalil Gibran)


P.S.: Danke Tami für das tolle Buch. Von Khalil Gibran kann man viel lernen.



Sonntag, 25. April 2010







Sicher sind wir nach 3 Stunden Flug auch wieder in Wellington gelandet. Es war mittlerweile halb 12 in Neuseeland. Wir wussten, dass schon alle Hostels geschlossen hatten. Unser Bus ging am folgenden Tag um 8 Uhr morgens. Demnach stellten wir uns auf eine Nacht am Flughafen ein. Immerhin kostenlos Internet und Toilette.

Aber denkste.

Man könnte zwar annehmen, dass man am Flughafen in der Hauptstadt Neuseelands ist, doch dies scheint die Kiwis nicht daran zu hindern diesen Airport von 0-4 Uhr einfach mal zu schließen.

Während die letzten Fluggäste noch das Terminal verliesen, fragten Vici und ich uns, was wir denn jetzt genau machen sollten? Schließlich hatten wir noch über 8 Stunden bevor unser Bus kam. Motels und Hotels- viel zu teuer. Momente, in denen man sich ein Zelt und 2 Schlafsäcke wünscht.

Die Nacht durchfeiern? Auch keine schlechte Idee. Doch mit 40 kg Gepäck in eine Disco marschieren, kommt vielleicht auch etwas komisch. Zuerst mal in die Stadt.

Kennt ihr das? Ihr kommt aus dem Bahnhof, dem Flughafen oder einem anderen größeren öffentlichem Gebäude heraus und dort erwarten euch schon 200 Taxifahrer, die selbstverständlich nur auf euch gewartet haben und eure Fahrt ganz besonders günstig anbieten. Sicherlich bin ich noch nicht so häufig in meinem Leben Taxi gefahren. Doch wenn euch von links schon Ramschit der Inder angrinst, dann entscheide ich mich doch spontan für den arabisch aussehenden Mohammed zur Rechten.

Mohammed, so stellte sich später raus war Iraki und hatte auch das nette Kenntzeichen „IRAQI“ für sein Taxi passend besorgt. Er erzählte uns auf der Fahrt in die Stadt allerhand Geschichten von verrückten Fahrgästen und teuren Fahrten. Rekordsumme war wohl eine 500$ Fahrt nach Wanganui von Wellington aus. Und ich frage mich immer, wie sie ihr Geld verdienen.

So setzte er uns nach einer sehr lustigen Fahrt am Te Papa Museum in der Stadt ab. Doch was nun? Schließlich hatten wir nicht so wirklich ein Ziel.

Immerhin war es nicht so kalt, nur sehr windig.

So zogen wir bestimmt eine Stunde durch die Straßen, am Ufer entlang und besuchten einen McDonalds. Manchmal ist man auch ganz froh, wenn das goldene „M“ noch leuchtet. Und 24/7 kann auch was schönes sein. Nachdem wir uns zwischen partylustigen und Taxifahrern aber doch nicht die ganze Nacht aufhalten wollten, zogen wir weiter.

Nennt uns Luxusgammler oder Kurzzeitobdachlose doch wir machten es uns irgendwann auf einer Brücke bequem. Ja, auf ihr und nicht unten drunter.

Wellington kann schon verdammt ruhig sein nachts. Wir auf der Brücke unter unseren Handtüchern, umringt von unserem Gepäck, versuchten zu schlafen, was sogar für eine halbe Stunde funktionierte.

Doch schließlich wurde es einfach zu kalt und es fing auch noch an zu regnen. Also hieß es wieder: Weiterziehen.

3.30 Uhr: Müllmänner sind unterwegs, Putzfrauen machen sich an die Arbeit, nichts hat auf, die Stadt wirkt traurig und verlassen.

Bis um 5 lagen wir noch auf einer Bank unter einem Regenschutz, suchten öffentliche Toiletten auf und versuchten Banken mit Geldautomaten drinnen zu finden. Erfolglos.

Glücklicherweise – danke güldenes M – fanden wir einen noch größeren McDonalds bei dem wir einfach 2 Stunden herumsaßen, Kaffee tranken, den Putzfrauen zuschauten, Karten spielten, uns aufwärmten und überrascht viele Leute einfach nur rumgammeln sahen.

Mittlerweile war es draußen richtig kalt und stürmte. Was für ein Glück hatten wir doch gehabt.

Nachdem ich schon immer Respekt für Obdachlose hatte und oftmals an sie dachte, während es draußen schweinekalt war und ich mich drinnen wärmte, zeigte uns diese Nacht wohl beiden, wie gut es uns doch geht. Selbst wenn es bei den „Strohhaus-änhlichen-Hütten“ hier schon sehr kalt wird, hat man immer noch ein Dach über dem Kopf.

Ich kann euch sagen: Viele Dinge nehmen wir viel zu Selbstverständlich hin. Und da schließe ich mich gar nicht aus.

Als wir pitschenass dann endlich den Bus erreichten, waren wir wie gelähmt. Nass, müde, hungrig, es war kalt....

Eine Erfahrung, die man wohl definitiv nie vergessen wird.

Eine Woche sind wir schon wieder in Wanganui. So schnell vergeht die Zeit. Und doch wieder nicht. Einerseits werdet ihr sagen, ist doch das meiste schon rum. Die paar Wochen jetzt noch.

Doch irgendwie sind wir ein wenig „Neuseeland-müde“. Leben hier? Niemals. Das würde ich glaube ich eingehen nach einer Weile. Ein Jahr Wanganui und man kennt wirklich jede Ecke. Es ist halt doch einfach eine Insel.

Morgen Abend kommt Semhar nach Wanganui und bleibt für 6 Wochen in Neuseeland. Wie lange bei uns? Keiner weiß es so genau.

Vici hält tapfer durch und hatte letzte Woche mit 43 Stunden wohl ihren persönlichen Rekord.

Heute wird ANZAC-Day gefeiert. Australien New Zealand Army Corps...

Von der gestrigen „boobs parade“ allerdings etwas überschattert.

Der normale Wahnsinn.

Samstag, 17. April 2010



















































„Home sweet home“. 11 Tage Sydney waren genug um sehr viel von der Stadt mit zu nehmen und uns einen ganz kleinen Eindruck von Australien zu geben. Jetzt hat uns erst einmal Neuseeland zurück für die kommenden 2-3 Monate. Der nächste Flug geht dann nämlich für uns beide nach Hause ins dann hoffentlich warme Deutschland.

Immerhin 6 Seiten nehmen alleine die letzten beiden Tage ein in meinem Tagebuch. Zu dem Flug zurück nach Wellington und unserer einmaligen Nacht danach komme ich aber später.

Zunächst einmal versuche ich einmal die letzten Tag in Sydney zusammen zu fassen.

Selbstverständlich kann man Sydney nicht verlassen, bzw. Australien im Allgemeinen ohne zumindest ein paar Strände gesehen zu haben. So waren wir 3 Tage in Folge eigentlich hauptsächlich am Rumlungern mit vielen anderen Strandlustigen. Dazu sei gesagt, dass wir hier in Neuseeland mittlerweile etwa die Temperaturen erricht haben, wie sie in Deutschland wohl im Oktober herrschen. Zwischen 0°C und 15°C. Der Herbst ist auch hier angekommen.

Nicht viel spürt man davon in Sydney. Sobald die Sonne scheint, hat es dort 25°C und mit einer warmen Brise ist es einfach perfekt. Selbst nachts kühlt es vielleicht einmal auf 15°C ab. Dementsprechend treiben sich auch noch viel am Strand herum in jeder freien Minute.

Der berühmteste unter ihnen ist wohl der Bondi-Beach. Aber Laufwütig wie wir nun einmal sind, bestritten wir zusammen mit Tami den Beach Walk, entlang der Küste, vorbei an vielen schönen Buchten, bis hin zum Coogee-Beach (oder Gucci-beach...). Selbstverständlich warteten auch dort schon alle Sonnenmilchfanatiker und Ozonlochanbeter auf uns. Doch alles, was wir hier in Neuseeland an Strand gesehen haben, und wir waren an der ein oder anderen Bucht schon beeindruckt-sei hinzugefügt- steckte allein Sydney mit seinen Stränden in die Tasche. Dabei haben wir wohl nur einen Vorgeschmack bekommen, von dem was die Gold-Coast sonst noch zu bieten hat. Ein weiterer Besuch bleibt so wohl definitiv nicht aus.

Ein weiterer Traum-Strand. Manly-Beach. Um ihm noch mehr Glanz zu verleihen. Ein „Mission Impossible“ soll dort wohl gedreht worden sein. Fragt mich bitte nicht welcher.

Noch nie habe ich so viele Surfer auf einem Haufen gesehen. Alles dabei. Von der stürzenden Surf-Omi, bis hin zum „Unter-30m-ist-alles-Kinderkacke-Surfer“ findet man alles. 50 Leute auf 10m verteilt. Schien zumindest keiner Berührungsängste zu haben.

Neben dem Strand zog es uns am letzten Tag aber auch noch etwas raus aus der Stadt. Die Blue Mountains. Blue Mountains heißen sie deshalb –aufgepasst!!!- weil die von der Sonne freigesetzten Gase aus dem Eukalyptusbaum sich mit Luftpartikeln vermischen; Zusammen mit den Sonnenstrahlen und einer gewissen Entfernung zum Gebirge ergibt das den blauen Schein nachdem das Gebirge benannt wurde. Andere Version: Der Aborigini war einfach blau bei der Namensgebung. Wissenschafltich aber eher unspektakulär.

Bei schönstem Wetter sind wir dann auch „the steepest cable car“ der Welt gefahren. Und ich kann euch sagen. Wenn ich 100° vergeben könnte, würde ich es ihr geben. Schon unten sitzt man nicht im Sitz, sondern liegt man drinnen. Auf halben Weg nach oben stellt sich dann auch raus warum: Man sitzt plötzlich einfach senkrecht im Sitz.

Neben den „3 sisters“ –einer Steinformation- (die Geschichte zu dieser Namensgebung würde meinen Eintrag wohl sprengen; eurer Fantasie ist freiem Lauf gelassen an dieser Stelle) und dem wundervollen National Park haben wir zum ersten Mal Kängurus gesehen. Hoppel, hoppel. Wusstet ihr, dass sie nicht normal gehen können, sondern immer ihre beiden Hinterbeine gleichzeitig fortbewegen müssen, deshalb auch auf den kleinsten Distanzen springen müssen. Bei Full-Speed-Hoppeln bis zu 40 km/h schnell sind und ihre Ohren um 360° drehen können. Nicht schlecht die kleinen, ne?

Der letzte Tag. Er begann wie ein ganz normaler Donnerstag. Es sollte einfach nicht unser Tag sein. Da geht mein Wecker immer richtig, nur am Tag der Abreise stellt sich der Wecker selbst auf stumm. So blieben uns statt einer Stunde zum Packen, Fertig machen und auschecken genau 3 Minuten. Netter Nebeneffekt: Man ist ziemlich schnell wach.

Die restliche Zeit bis hin zum Abflug war dann doch sehr entspannt. Wir checkten nochmal unsere Tickets, ob wir auch die richtige Zeit im Kopf haben und das Airport-Shuttle zur richtigen Zeit kommt. Alles war super. Schließlich wurden wir abgeholt, sogar 10 min zu früh.

16.55 Uhr: Wir kommen am Flufhafen-Sydney an. Der Flieger, der um 18.15 Uhr abheben sollte war zum check-in bereit und wir stellten uns in die relativ kurze Schlange. Einziger Makel: die arabische Großfamilie, die vorgelassen wurde mit ihren etwa 2t Gepäck. „Ja aber wir haben doch 2 Gepäckstücke pro Person.“ – „Ja, nur leider brauchen wir 4 Mitarbeiter um eines davon hoch zu heben.“

17:15 Uhr: Wir stehen am Check-In und sie schaut nach unseren Reservierungen.

17:20 Uhr: Sie schaut immer noch nach unseren Reservierungen und ich zeige ihr meine Buchung für den Flug Nz144.

17.21 Uhr: Sie zeigt uns, wo der Fehler liegt: Wir waren genau einen Tag zu früh am Flughafen. AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH. Das kann doch wohl nicht war sein. So oft haben wir die Flugzeit überprüft, dass wir einfach nicht mehr auf das Datum geachtet haben, bei dem auch noch extra Freitag und nicht Donnerstag drauf stand. „Was für Volltrottel, muss sich die Frau am Schalter gedacht haben.“

17.25 Uhr: Wir stehen am Schalter der Service-Uschi: Vivian. Fragt mich nicht, warum ich den Namen behalten habe. Und fragt mich auch nicht, wie man sein Kind so nennen kann. Problem von Vivian. Die arabische Familie, die immer noch nicht verstand, warum ihre zehn 200kg Koffer nicht mitgenommen werden konnten.

17.30 Uhr: Unser Flug wurde für das Boarding aufgerufen und Vivian kam endlich leicht genervt von den Arabern zu ihrem Schalter zurück. In der Zeit fand eine andere Mitarbeiterin immerhin heraus, dass es wohl noch Plätze für uns gab, es allerdings 120$Au pro Person Aufpreis wären. Egal, auf auf. Hostel, Shuttle und Bus in Nz umbuchen kostet genau so viel.

17.35 Uhr: Vivian war durch und ich sollte bezahlen, während Vici schon mal die Koffer versucht hat ein zu checken. Eine Kreditkarte kann schon etwas schönes sein, wenn sie funktioniert. AHHHHHHHHH. Dritter versuch. Ich sollte meinen Pin eingeben. Ich erklärte ihr, dass das Gerät aber wie blöd piepste, sobald ich die erste Zahl drückte und ob ich nicht unterschreiben könne. Vivian immer noch fest von der Pineingabe überzeugt, probierte es 2 weitere Male.

17.40 Uhr: Natürlich wählten Vici und ich bei der Schalter-Dame für die Gepäckausgabe nicht die „Zack-und-ihr-seid-fertig-Dame“ sondern die wohl relaxteste Omi, die ich seit langem traf. Baut niemals auf Erfahrung sondern lieber auf Schnelligkeit.

17.45 Uhr: Während Vivian mittlerweile auch eingesehen hatte, dass es mit Unterschrift wohl einfach schneller geht, als sich von dem Gerät Fehlermeldungen anzuhören.

Einfacher halber nenne ich „Relaxt-Omi“ einfach mal Renate. Renate, während im Hintergrund „Last boarding for passengers to Wellington with NZ144.... last boarding....“ lief, kontrollierte zum 5. Mal die Visa in unseren Pässen, telefonierte seelenruhig und lief einer Omi auch noch hinterher, weil ihr Anhänger vom Koffer abgefallen war. Vici und ich bekamen fast einen Schreikrampf. Nachdem sie wohl merkte, dass wir doch etwas besorgt waren, meinte sie wir schaffen das schon und bat uns nochmal unsere Visaanträge im Reisepass auf zu schlagen für sie. AHHHHHHHHHHHHHHHH

17.50 Uhr: Auch Renate schaffte es schließlich unsere Koffer aufs Laufband zu befördern und innerlich gab ich die Koffer schon auf (haschn’?). bzw. sah einen ganz besonders motivierten Angestellten des Flufhafenpersonals mit seinem Gepäcktrolli sich dem Flugzeug auf der Startbahn in den Weg stellend und uns ohne Gepäck in Sydney.

Man glaubt gar nicht wie groß so ein Flughafen sein kann.

Passkontrolle: Nicht zu sagen, dass wir auch hier, wohl den langsamten haben. Meine Vermutung war ja: Renates Mann. „Ja das bin wirklich ich auf dem Passbild, du Horst.“

17.53 Uhr: Vermutlich die vertrottelte Tochter der beiden schickte uns dann auch noch in die längste Schlange beim Metalldetektor. Nicht genug des Ganzen stand vor uns auch noch ein Mann und ließ seelenruhig seinen Kulturbeutel mit ungefähr 2 kg Flüssigkeiten und Cremen übers Laufband laufen.

17.55 Uhr: Dritter Anlauf für Mister „Wie-ich-kann-nicht-mal-die 150 g- Nivea-Creme-mitnehmen.“ Der Sicherheitsbeamte hatte schließlich ein Einsehen, schickte die Cremedose auf eine einsame Reise durch den Detektor und ließ uns vorbei.

17.57 Uhr: Wir beide piepsten nicht. Meinen Rucksack sah ich auch schon kommen, doch nein. Ahhhhhhhh. Was macht der denn. Hatte doch ein Sicherheitsbeamter tatsächlich das kleine Schraubenzieherset gefunden für mein Surfboard. Gut für die 200 Passagiere, die ich damit bedrohen wollte, schlecht für uns. Nochmal durch den Check.

17.58 Uhr: Ihr fragt euch sicherlich, wie ich die Zeiten noch so genau weis. Ich sag euch, man bekommt ein ganz anderes Zeitgefühl nicht zu sprechen von den circa 200 malen, die man auf die Uhr schaut.

So rannten wir los durch den verdammten Duty-free-shop, den man natürlich passieren muss, dem Schild: Gate 37-63 zeigend, die langen Gänge entlang. Ratet mal zu welchem Gate wir mussten: Richtig, 63. Ich kam mir schon bisschen vor wie im Komödienstadel.

Nachdem Vici bei Gate 55 schon einen Herzkollaps bekam und ein Mitarbeiter uns entgegen lief mit unseren Namen auf der Liste und der freundlichen Aufforderung: „Hurry up!!!“, sahen wir endlich das erlösende Gate 63.

18.00 Uhr: Unglaublich. Ein Moment, indem mir klar wurde für was sie Sauerstoffmasken an Board hatten.

Finally saßen wir in unserem Flieger und es ging Richtung Wellington.

Fortsetzung folgt...