Sonntag, 25. April 2010







Sicher sind wir nach 3 Stunden Flug auch wieder in Wellington gelandet. Es war mittlerweile halb 12 in Neuseeland. Wir wussten, dass schon alle Hostels geschlossen hatten. Unser Bus ging am folgenden Tag um 8 Uhr morgens. Demnach stellten wir uns auf eine Nacht am Flughafen ein. Immerhin kostenlos Internet und Toilette.

Aber denkste.

Man könnte zwar annehmen, dass man am Flughafen in der Hauptstadt Neuseelands ist, doch dies scheint die Kiwis nicht daran zu hindern diesen Airport von 0-4 Uhr einfach mal zu schließen.

Während die letzten Fluggäste noch das Terminal verliesen, fragten Vici und ich uns, was wir denn jetzt genau machen sollten? Schließlich hatten wir noch über 8 Stunden bevor unser Bus kam. Motels und Hotels- viel zu teuer. Momente, in denen man sich ein Zelt und 2 Schlafsäcke wünscht.

Die Nacht durchfeiern? Auch keine schlechte Idee. Doch mit 40 kg Gepäck in eine Disco marschieren, kommt vielleicht auch etwas komisch. Zuerst mal in die Stadt.

Kennt ihr das? Ihr kommt aus dem Bahnhof, dem Flughafen oder einem anderen größeren öffentlichem Gebäude heraus und dort erwarten euch schon 200 Taxifahrer, die selbstverständlich nur auf euch gewartet haben und eure Fahrt ganz besonders günstig anbieten. Sicherlich bin ich noch nicht so häufig in meinem Leben Taxi gefahren. Doch wenn euch von links schon Ramschit der Inder angrinst, dann entscheide ich mich doch spontan für den arabisch aussehenden Mohammed zur Rechten.

Mohammed, so stellte sich später raus war Iraki und hatte auch das nette Kenntzeichen „IRAQI“ für sein Taxi passend besorgt. Er erzählte uns auf der Fahrt in die Stadt allerhand Geschichten von verrückten Fahrgästen und teuren Fahrten. Rekordsumme war wohl eine 500$ Fahrt nach Wanganui von Wellington aus. Und ich frage mich immer, wie sie ihr Geld verdienen.

So setzte er uns nach einer sehr lustigen Fahrt am Te Papa Museum in der Stadt ab. Doch was nun? Schließlich hatten wir nicht so wirklich ein Ziel.

Immerhin war es nicht so kalt, nur sehr windig.

So zogen wir bestimmt eine Stunde durch die Straßen, am Ufer entlang und besuchten einen McDonalds. Manchmal ist man auch ganz froh, wenn das goldene „M“ noch leuchtet. Und 24/7 kann auch was schönes sein. Nachdem wir uns zwischen partylustigen und Taxifahrern aber doch nicht die ganze Nacht aufhalten wollten, zogen wir weiter.

Nennt uns Luxusgammler oder Kurzzeitobdachlose doch wir machten es uns irgendwann auf einer Brücke bequem. Ja, auf ihr und nicht unten drunter.

Wellington kann schon verdammt ruhig sein nachts. Wir auf der Brücke unter unseren Handtüchern, umringt von unserem Gepäck, versuchten zu schlafen, was sogar für eine halbe Stunde funktionierte.

Doch schließlich wurde es einfach zu kalt und es fing auch noch an zu regnen. Also hieß es wieder: Weiterziehen.

3.30 Uhr: Müllmänner sind unterwegs, Putzfrauen machen sich an die Arbeit, nichts hat auf, die Stadt wirkt traurig und verlassen.

Bis um 5 lagen wir noch auf einer Bank unter einem Regenschutz, suchten öffentliche Toiletten auf und versuchten Banken mit Geldautomaten drinnen zu finden. Erfolglos.

Glücklicherweise – danke güldenes M – fanden wir einen noch größeren McDonalds bei dem wir einfach 2 Stunden herumsaßen, Kaffee tranken, den Putzfrauen zuschauten, Karten spielten, uns aufwärmten und überrascht viele Leute einfach nur rumgammeln sahen.

Mittlerweile war es draußen richtig kalt und stürmte. Was für ein Glück hatten wir doch gehabt.

Nachdem ich schon immer Respekt für Obdachlose hatte und oftmals an sie dachte, während es draußen schweinekalt war und ich mich drinnen wärmte, zeigte uns diese Nacht wohl beiden, wie gut es uns doch geht. Selbst wenn es bei den „Strohhaus-änhlichen-Hütten“ hier schon sehr kalt wird, hat man immer noch ein Dach über dem Kopf.

Ich kann euch sagen: Viele Dinge nehmen wir viel zu Selbstverständlich hin. Und da schließe ich mich gar nicht aus.

Als wir pitschenass dann endlich den Bus erreichten, waren wir wie gelähmt. Nass, müde, hungrig, es war kalt....

Eine Erfahrung, die man wohl definitiv nie vergessen wird.

Eine Woche sind wir schon wieder in Wanganui. So schnell vergeht die Zeit. Und doch wieder nicht. Einerseits werdet ihr sagen, ist doch das meiste schon rum. Die paar Wochen jetzt noch.

Doch irgendwie sind wir ein wenig „Neuseeland-müde“. Leben hier? Niemals. Das würde ich glaube ich eingehen nach einer Weile. Ein Jahr Wanganui und man kennt wirklich jede Ecke. Es ist halt doch einfach eine Insel.

Morgen Abend kommt Semhar nach Wanganui und bleibt für 6 Wochen in Neuseeland. Wie lange bei uns? Keiner weiß es so genau.

Vici hält tapfer durch und hatte letzte Woche mit 43 Stunden wohl ihren persönlichen Rekord.

Heute wird ANZAC-Day gefeiert. Australien New Zealand Army Corps...

Von der gestrigen „boobs parade“ allerdings etwas überschattert.

Der normale Wahnsinn.

Samstag, 17. April 2010



















































„Home sweet home“. 11 Tage Sydney waren genug um sehr viel von der Stadt mit zu nehmen und uns einen ganz kleinen Eindruck von Australien zu geben. Jetzt hat uns erst einmal Neuseeland zurück für die kommenden 2-3 Monate. Der nächste Flug geht dann nämlich für uns beide nach Hause ins dann hoffentlich warme Deutschland.

Immerhin 6 Seiten nehmen alleine die letzten beiden Tage ein in meinem Tagebuch. Zu dem Flug zurück nach Wellington und unserer einmaligen Nacht danach komme ich aber später.

Zunächst einmal versuche ich einmal die letzten Tag in Sydney zusammen zu fassen.

Selbstverständlich kann man Sydney nicht verlassen, bzw. Australien im Allgemeinen ohne zumindest ein paar Strände gesehen zu haben. So waren wir 3 Tage in Folge eigentlich hauptsächlich am Rumlungern mit vielen anderen Strandlustigen. Dazu sei gesagt, dass wir hier in Neuseeland mittlerweile etwa die Temperaturen erricht haben, wie sie in Deutschland wohl im Oktober herrschen. Zwischen 0°C und 15°C. Der Herbst ist auch hier angekommen.

Nicht viel spürt man davon in Sydney. Sobald die Sonne scheint, hat es dort 25°C und mit einer warmen Brise ist es einfach perfekt. Selbst nachts kühlt es vielleicht einmal auf 15°C ab. Dementsprechend treiben sich auch noch viel am Strand herum in jeder freien Minute.

Der berühmteste unter ihnen ist wohl der Bondi-Beach. Aber Laufwütig wie wir nun einmal sind, bestritten wir zusammen mit Tami den Beach Walk, entlang der Küste, vorbei an vielen schönen Buchten, bis hin zum Coogee-Beach (oder Gucci-beach...). Selbstverständlich warteten auch dort schon alle Sonnenmilchfanatiker und Ozonlochanbeter auf uns. Doch alles, was wir hier in Neuseeland an Strand gesehen haben, und wir waren an der ein oder anderen Bucht schon beeindruckt-sei hinzugefügt- steckte allein Sydney mit seinen Stränden in die Tasche. Dabei haben wir wohl nur einen Vorgeschmack bekommen, von dem was die Gold-Coast sonst noch zu bieten hat. Ein weiterer Besuch bleibt so wohl definitiv nicht aus.

Ein weiterer Traum-Strand. Manly-Beach. Um ihm noch mehr Glanz zu verleihen. Ein „Mission Impossible“ soll dort wohl gedreht worden sein. Fragt mich bitte nicht welcher.

Noch nie habe ich so viele Surfer auf einem Haufen gesehen. Alles dabei. Von der stürzenden Surf-Omi, bis hin zum „Unter-30m-ist-alles-Kinderkacke-Surfer“ findet man alles. 50 Leute auf 10m verteilt. Schien zumindest keiner Berührungsängste zu haben.

Neben dem Strand zog es uns am letzten Tag aber auch noch etwas raus aus der Stadt. Die Blue Mountains. Blue Mountains heißen sie deshalb –aufgepasst!!!- weil die von der Sonne freigesetzten Gase aus dem Eukalyptusbaum sich mit Luftpartikeln vermischen; Zusammen mit den Sonnenstrahlen und einer gewissen Entfernung zum Gebirge ergibt das den blauen Schein nachdem das Gebirge benannt wurde. Andere Version: Der Aborigini war einfach blau bei der Namensgebung. Wissenschafltich aber eher unspektakulär.

Bei schönstem Wetter sind wir dann auch „the steepest cable car“ der Welt gefahren. Und ich kann euch sagen. Wenn ich 100° vergeben könnte, würde ich es ihr geben. Schon unten sitzt man nicht im Sitz, sondern liegt man drinnen. Auf halben Weg nach oben stellt sich dann auch raus warum: Man sitzt plötzlich einfach senkrecht im Sitz.

Neben den „3 sisters“ –einer Steinformation- (die Geschichte zu dieser Namensgebung würde meinen Eintrag wohl sprengen; eurer Fantasie ist freiem Lauf gelassen an dieser Stelle) und dem wundervollen National Park haben wir zum ersten Mal Kängurus gesehen. Hoppel, hoppel. Wusstet ihr, dass sie nicht normal gehen können, sondern immer ihre beiden Hinterbeine gleichzeitig fortbewegen müssen, deshalb auch auf den kleinsten Distanzen springen müssen. Bei Full-Speed-Hoppeln bis zu 40 km/h schnell sind und ihre Ohren um 360° drehen können. Nicht schlecht die kleinen, ne?

Der letzte Tag. Er begann wie ein ganz normaler Donnerstag. Es sollte einfach nicht unser Tag sein. Da geht mein Wecker immer richtig, nur am Tag der Abreise stellt sich der Wecker selbst auf stumm. So blieben uns statt einer Stunde zum Packen, Fertig machen und auschecken genau 3 Minuten. Netter Nebeneffekt: Man ist ziemlich schnell wach.

Die restliche Zeit bis hin zum Abflug war dann doch sehr entspannt. Wir checkten nochmal unsere Tickets, ob wir auch die richtige Zeit im Kopf haben und das Airport-Shuttle zur richtigen Zeit kommt. Alles war super. Schließlich wurden wir abgeholt, sogar 10 min zu früh.

16.55 Uhr: Wir kommen am Flufhafen-Sydney an. Der Flieger, der um 18.15 Uhr abheben sollte war zum check-in bereit und wir stellten uns in die relativ kurze Schlange. Einziger Makel: die arabische Großfamilie, die vorgelassen wurde mit ihren etwa 2t Gepäck. „Ja aber wir haben doch 2 Gepäckstücke pro Person.“ – „Ja, nur leider brauchen wir 4 Mitarbeiter um eines davon hoch zu heben.“

17:15 Uhr: Wir stehen am Check-In und sie schaut nach unseren Reservierungen.

17:20 Uhr: Sie schaut immer noch nach unseren Reservierungen und ich zeige ihr meine Buchung für den Flug Nz144.

17.21 Uhr: Sie zeigt uns, wo der Fehler liegt: Wir waren genau einen Tag zu früh am Flughafen. AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH. Das kann doch wohl nicht war sein. So oft haben wir die Flugzeit überprüft, dass wir einfach nicht mehr auf das Datum geachtet haben, bei dem auch noch extra Freitag und nicht Donnerstag drauf stand. „Was für Volltrottel, muss sich die Frau am Schalter gedacht haben.“

17.25 Uhr: Wir stehen am Schalter der Service-Uschi: Vivian. Fragt mich nicht, warum ich den Namen behalten habe. Und fragt mich auch nicht, wie man sein Kind so nennen kann. Problem von Vivian. Die arabische Familie, die immer noch nicht verstand, warum ihre zehn 200kg Koffer nicht mitgenommen werden konnten.

17.30 Uhr: Unser Flug wurde für das Boarding aufgerufen und Vivian kam endlich leicht genervt von den Arabern zu ihrem Schalter zurück. In der Zeit fand eine andere Mitarbeiterin immerhin heraus, dass es wohl noch Plätze für uns gab, es allerdings 120$Au pro Person Aufpreis wären. Egal, auf auf. Hostel, Shuttle und Bus in Nz umbuchen kostet genau so viel.

17.35 Uhr: Vivian war durch und ich sollte bezahlen, während Vici schon mal die Koffer versucht hat ein zu checken. Eine Kreditkarte kann schon etwas schönes sein, wenn sie funktioniert. AHHHHHHHHH. Dritter versuch. Ich sollte meinen Pin eingeben. Ich erklärte ihr, dass das Gerät aber wie blöd piepste, sobald ich die erste Zahl drückte und ob ich nicht unterschreiben könne. Vivian immer noch fest von der Pineingabe überzeugt, probierte es 2 weitere Male.

17.40 Uhr: Natürlich wählten Vici und ich bei der Schalter-Dame für die Gepäckausgabe nicht die „Zack-und-ihr-seid-fertig-Dame“ sondern die wohl relaxteste Omi, die ich seit langem traf. Baut niemals auf Erfahrung sondern lieber auf Schnelligkeit.

17.45 Uhr: Während Vivian mittlerweile auch eingesehen hatte, dass es mit Unterschrift wohl einfach schneller geht, als sich von dem Gerät Fehlermeldungen anzuhören.

Einfacher halber nenne ich „Relaxt-Omi“ einfach mal Renate. Renate, während im Hintergrund „Last boarding for passengers to Wellington with NZ144.... last boarding....“ lief, kontrollierte zum 5. Mal die Visa in unseren Pässen, telefonierte seelenruhig und lief einer Omi auch noch hinterher, weil ihr Anhänger vom Koffer abgefallen war. Vici und ich bekamen fast einen Schreikrampf. Nachdem sie wohl merkte, dass wir doch etwas besorgt waren, meinte sie wir schaffen das schon und bat uns nochmal unsere Visaanträge im Reisepass auf zu schlagen für sie. AHHHHHHHHHHHHHHHH

17.50 Uhr: Auch Renate schaffte es schließlich unsere Koffer aufs Laufband zu befördern und innerlich gab ich die Koffer schon auf (haschn’?). bzw. sah einen ganz besonders motivierten Angestellten des Flufhafenpersonals mit seinem Gepäcktrolli sich dem Flugzeug auf der Startbahn in den Weg stellend und uns ohne Gepäck in Sydney.

Man glaubt gar nicht wie groß so ein Flughafen sein kann.

Passkontrolle: Nicht zu sagen, dass wir auch hier, wohl den langsamten haben. Meine Vermutung war ja: Renates Mann. „Ja das bin wirklich ich auf dem Passbild, du Horst.“

17.53 Uhr: Vermutlich die vertrottelte Tochter der beiden schickte uns dann auch noch in die längste Schlange beim Metalldetektor. Nicht genug des Ganzen stand vor uns auch noch ein Mann und ließ seelenruhig seinen Kulturbeutel mit ungefähr 2 kg Flüssigkeiten und Cremen übers Laufband laufen.

17.55 Uhr: Dritter Anlauf für Mister „Wie-ich-kann-nicht-mal-die 150 g- Nivea-Creme-mitnehmen.“ Der Sicherheitsbeamte hatte schließlich ein Einsehen, schickte die Cremedose auf eine einsame Reise durch den Detektor und ließ uns vorbei.

17.57 Uhr: Wir beide piepsten nicht. Meinen Rucksack sah ich auch schon kommen, doch nein. Ahhhhhhhh. Was macht der denn. Hatte doch ein Sicherheitsbeamter tatsächlich das kleine Schraubenzieherset gefunden für mein Surfboard. Gut für die 200 Passagiere, die ich damit bedrohen wollte, schlecht für uns. Nochmal durch den Check.

17.58 Uhr: Ihr fragt euch sicherlich, wie ich die Zeiten noch so genau weis. Ich sag euch, man bekommt ein ganz anderes Zeitgefühl nicht zu sprechen von den circa 200 malen, die man auf die Uhr schaut.

So rannten wir los durch den verdammten Duty-free-shop, den man natürlich passieren muss, dem Schild: Gate 37-63 zeigend, die langen Gänge entlang. Ratet mal zu welchem Gate wir mussten: Richtig, 63. Ich kam mir schon bisschen vor wie im Komödienstadel.

Nachdem Vici bei Gate 55 schon einen Herzkollaps bekam und ein Mitarbeiter uns entgegen lief mit unseren Namen auf der Liste und der freundlichen Aufforderung: „Hurry up!!!“, sahen wir endlich das erlösende Gate 63.

18.00 Uhr: Unglaublich. Ein Moment, indem mir klar wurde für was sie Sauerstoffmasken an Board hatten.

Finally saßen wir in unserem Flieger und es ging Richtung Wellington.

Fortsetzung folgt...

Sonntag, 11. April 2010

Freitag, 9. April 2010







































































„Goodbye New Zealand!“ Für zwei Wochen geht es nach Sydney. Die Hauptstadt des großen Nachbarkontinents. Wüste, wundervolle Strände, Sonnenschein, Surfer, Aboriginies, Kängurus und Bumerangs. Ist es nicht das typische Bild, was wir alle im Kopf haben? Mal sehen.

Zuvor sei gesagt, dass wir mit 2 Wochen Ferien uns nicht mal die Mühe machen viel um Sydney herum anzuschauen. Warum? Ganz einfach. Hier ist alles so verdammt weit weg.

„Melbourne – 1007km“ – schon einmal so ne Distanzangabe gesehen. Und sehr weit ist man dann ja auch noch nicht gekommen. Flugzeug heißt die Erfindung mit der man das Problem umgehen kann. Das kostet aber viel zu viel und ist uns auch zu stressig für diese „kurze“ Zeit. Zum Vergleich: Ein Hin- und Rückflug von Neuseeland nach Australien kostet in etwa das selbe wie ein Flug von der Ost- an die Westküste von Australien. Also Australien ist einfach gigantisch!!!

Fast eine Woche sind wir schon in Sydney und ich muss sagen, wir haben schon eine ganze Menge erlebt. „Nie wieder YHA-Hostels“ haben wir uns in Neuseeland geschworen. War wohl nichts. Schwupps die Wupps ist man da wieder drin im Strudel der Gewohnheit. Zugegebenermaßen haben Vici und ich uns auch das wohl schönste Hostel weit und breit heraus gesucht (wohl auch das Einzige weit und breit). Von der Terasse kann man direkt auf das Opernhaus und die Harbour Bridge schauen, direkt in der Altstadt (auf Ruinen errichtet) und zu Fuß 5 min vom Stadtkern entfernt. „The Rocks“ heißt das Business-District indem wir wohnen. Leider findet man keine Supermärkte, dafür Caféshops alle „Nas’ lang“. Gestern habe ich auch meinen persönlichen Rekord aufgestellt im „Iphone zählen“. 7 von 10 Handys.

Die Stadt lebt. Nach 8 Monaten im kleinen Wanganui ist man erst einmal froh wieder eine Großstadt zum erkunden zu haben. Glaube selten hat man 2 Touris mit so großen Augen vor Läden stehen sehen, wie uns beide.

Allerdings macht so eine Stadt auch müde. Hetzende Geschäftsleute überall, Taxis, Busse, Hochbahnen, Hupen, viele Obdachlose, Kamerageknipse, Angebote, Werbungen....

Von Tag zu Tag wird man etwas früher müde.... nicht nur „Geh-müde“.

Da Vici und ich morgen ein Jahr zusammen sind, gönnte wir uns 2 Tickets für das Opera House. Schauen uns dort abends eine Tanzshow an. Muss allerdings sagen, dass selbst die teuersten Tickets wohl nicht ganz an die Stehplätze im Festspielhaus ran kamen.

Das Wetter lässt uns nicht im Stich. Australien und Sonnenschein; kann ich nur bestätigen. Selbst in der Großstadt gibt es wundervolle Gärten und Strände. „Chinese Garden“ oder der „Botanical Garden“ sind einfach nur umwerfend. Und die Strände. Na, da muss man nicht viel sagen. Sonne, Strand, Surfer.... alles, wie man es sich vorstellt, nur noch besser (neidisch mach).

Angetan hat es uns Chinatown. Eine völlig andere Welt und man kann innerhalb von Minuten vergessen, dass man immerhin doch noch einige 1000 km von Peking entfernt ist. Inmitten von Obst-und Gemüseständen, Märkten und herum hängenden Enten (haschn’?) versteht man meistens kein einziges Wort.

Aber auch auf den Straßen sieht man, dass man nicht vom typischen Australier sprechen kann. Kiwis, Afroamerikaner, Asiaten, Europäer, Südamerikaner... es ist alles dabei.

Die Stadt hat ihren eigenen Charme. Uns gefällt es. Und schließlich lebt Tami ja hier auch. Zumindest für dieses eine Jahr. Im Gegensatz zu uns ist sie aber schon wieder kräftig am arbeiten. „Fitness First“ – eine der größten Fitnessstudioketten auf der Welt. Für 3 Monate arbeitet sie dort und wirbt um Kunden und berät diese hinsichtlich ihres persönlichen Fitnessprogramms. „Fitness-Money-Career“ – die offiziellen Ziele, die sich die Angestellten stecken sollen. Nichts mit Spaß, Freunden oder Lebensinhalt... Es geht halt doch alles nur um’s liebe Geld.

3 Dinge hatte ich mir für Neuseeland vorgenommen. Bungy, Zorbing und Fallschirmspringen. Gezorbed sind wir schon letztes Jahr (man vergeht die Zeit), ins Nevis Valley bin ich alleine in Queenstown gesprungen mit nem Seil an den Beinen und den Skydive haben Vici und ich uns für Sydney aufgehoben.

Gestern war es dann soweit. 14 000ft, 60 sec freefall, Sydney Beach Skydive.

Natürlich ist der Spaß nicht ganz günstig. 240Au$. Einmal im Leben dachten wir uns.

Im Nachhinein entschuldigen wir uns selbstverständlich, dass wir uns nicht von euch allen verabschiedet hatten. Richtig bewusst wurde mir das dann auch erst, als ich deine Adresse angegeben habe - Mama: Notfallnummer, für Eventualitäten.

„Skydive is extremely dangerous“ stand dann auch noch so schön auf dem Formular drauf, dass man wie ein Testament unterschreiben musste. „Na der wird sich schon öffnen“. Hoffnung machte uns die Omi, die mit und gesprungen ist. Also Omas, ihr lest es. Skydive, ein Sport für die ganze Familie J.

Vermutlich hat der ein oder andere von euch schon einmal den Freefall-Tower im Freizeitpark ausprobiert. Dann kennt ihr das Gefühl, dass es immer höher und höher geht und man denkt, es muss doch gleich aufhören und die Frage: „Was mach ich hier eigentlich?“. Selbstverständlich dachten wir uns das auch. Man sitzt in einer klapprigen Maschine, es ist laut, der Pilot gibt Windrichtungen durch, draußen ein wundervoller Tag. Man sieht die noch geschlossene Plexiglastür, durch die man gleich raus springt. Vici sollte auf Platz 3 springen, ich als Vorletzter. „Wenn die Beine draußen hängen, brauchst du schon ein bisschen Muskelkraft, um die nach hinten zu drücken, wegen dem starken Wind.... alles klar?.... Ready? ....“ Naja, was soll man da schon groß antworten?

Vici: „No, I’m not“, Seb: „Don’t think about it, don’t think about it, don’t think....“

So sah ich dann die Omi rausfallen aus dem Fliiischer und dann Vici. Man hörte noch einen Schrei und schwupps war sie verschwunden. Shit, die fliegen da jetzt schon... AHHHHHHHHHH...

Rutsch, rutsch ging es langsam immer näher an die Tür heran. Schließlich saß ich an der Kante, Kopf nach hinten, Beine angewinkelt und schwupps... „Ich falle.... falle....falle...“ die 3 Sekunden vom Freefall Tower einfach Mal 30. Der Blick nach unten einfach nur atemberaubend. Häuser, so klein, Strand und Meer unglaublich schön und unser Landeplatz ein grüner Punkt weit weit weg.

Vici und ich hatten mit sehr unterschiedlichen Problemen zu kämpfen, wie sich später heraus stellte. Während sie den Mund geschlossen hatte die ganze Zeit und mit Atemnot zu kämpfen hatte (sehr schön auf dem Video zu sehen), hatte ich meinen Mund die ganze Zeit weit aufgerissen und wunderte mich, warum er immer trockener wurde.

Experiment: Man schnappe sich ein leistungsstarkes Auto, fahre auf der Autobahn illegaler Weise 220 km/h und strecke dann das Köpfchen aus dem Fenster. So, nun versuchen wir einmal zu schreien, pfeifen, atmen, blinzeln oder Grimassen zu schneiden. Viel Spaß beim Skydive leicht gemacht.“

Die Zeit verstrich doch ziemlich schnell und wusch öffnete sich der Schirm in einer Höhe von knapp 500m. Während Vici den Flug nach unten genoss, wurde mir dabei ziemlich schlecht. Schaute ganz neidisch auf die Schirme vor mir, die schon gelandet waren, während mein Magen noch im Flieger zu sitzen schien.

Glaubt mir oder nicht, es lag am Flug mit dem Schirm, nicht am Sprung – und ja es waren die TomToms nicht das Paulaner...

Da sie aber schöne Musik hinter gepackt haben, hört man auch meine Würggeräusche nicht. Über das Bild von Vici oben lachen wir uns heute noch tot. Versuchten es shcon mit allen Mitteln nach zu stellen aber nachdem der erste Fön kaputt ging und es mit Wäscheklammern auch nicht funktionierte, gaben wir es auf.

Bilanz: Definitiv eine unvergessliche Erfahrung. Für jeden, der auf der Suche nach einem besonderen Erlebnis ist: Auf, auf!!!

Als ich und schließlich auch Vici noch etwas mit der Übelkeit zu kämpfen hatten, waren unsere Instructor schon zwei weitere Male gesprungen. Bis zu 7 mal an einem Tag geht es für sie dort rauf und selbstredend wieder runter. Mehr als 1000 Sprünge müssen sie vorweisen, bevor sie überhaupt „Tandem Master“ werden können. Das erklärt auch, warum die meisten so gelassen, wie bei einem Sprung vom Einer im Schwimmbad wirken. Viele suchen deshalb wohl auch in ihrer Freizeit den Kick beim Basejump. Good luck!!!


P.S.: Bis Freitag 16. April bitte nur im Notfall anrufen. Unser neuseeländischer Tarif ist hier in Australien sehr teuer.