
Der Countdown läuft. 42 Tage für Vici, 77 für mich. Das ist nicht mehr lange. Also macht euch bereit. Wir kommen bald.
Die letzten beiden Wochen ist neben Essen servieren im Indigo und Kinder drangsalieren im City College selbstverständlich auch noch so einiges passiert.
Semhar kam letzte Woche mit dem Bus in Wanganui an. Erschöpft von ihrer Weltreise, die sie schon nach Eritrea (ihr Heimatland), Thailand und Australien geführt hatte. Da kommt ein wenig Urlaub im eher ruhigen Wanganui natürlich gerade recht.
Wir hatten Spaß zusammen und die verrückte Semi weiß schließlich auch, wie man jeden Tag aufs Neue den lokalen Supermarkt abzockt. Keine Macht den Großkonzernen!!! Jetzt hätte sie nur noch in den 70 er geboren werden müssen.
Was macht man denn mit Mitarbeitern, die dauerhaft krank sind, vermutlich einen zweiten Job am laufen haben und nicht wirklich glaubhaft wirken? Richtig! Man lässt andere dafür schuften. Gut werdet ihr sagen: Immerhin hat Vici dann was zu tun. Und so kann sie sich ja auch schon an 40 Stunden/pro Woche gewöhnen. Ich persönlich tippe ja darauf, dass Vici mehr Steuern am Ende zurück bekommt als ich in dem ganzen Jahr verdient habe. Aber das ist ja nur gerecht. Die hart arbeitenden Frauen müssen gefördert werden.
Und schließlich ist Vicis Hefezopf und ihre Berliner einfach ein Traum.
Am Freitag ging es für mich und Alexej nach Havelock North. Einem kleinen aber feinen Örtchen an der Ostküste, nicht weit entfernt von Hastings und Napier.
Dort lebt der liebe René. Auch gerne Seb 2 genannt. Bei so viel Ähnlichkeit ist das erlaubt.
René arbeitet dort auch an einer Schule aber einer vergleichsweise reichen Privatschule. Year 1-8, Kinder im Alter von 6-13, wohingegen Alexej und ich Year 9-13 haben. Im Allgemeinen zählt Havelock wohl zu den reichsten Orten in Neuseeland. So viele europäische Protzautos wie dort habe ich das letzte Mal vor dem Brenners in Baden-Baden oder auf der Goethestraße in Frankfurt gesehen.
Dafür darf der liebe René auch ganz schön schuften. Da sieht selbst Vicis Arbeitspensum arm dagegen aus. Die „Boys school“ erlaubt ihm auch Deutsch zu unterrichten, was ich persönlich richtig gut finde. Nachdem Lino und ich uns das ja auch schon für unser College als AG überlegt hatten.
Die Ostküste ist ein schönes Fleckchen. Viele Sonnenstunden, tolle Landschaft, Weingüter, Imkereien und die Käsefabrik sei nicht zu vergessen. Seb 2 hatte ein tolles Programm für uns aufgestellt und uns rauchte der Kopf am Ende vor lauter schöner Eindrücke.
Kennt ihr das, wenn man so müde ist, dass man einfach über alles lacht? Wir konnten einfach nicht mehr. Karten spielen war noch nie so lustig. Am Ende sprachen wir im Kino einfach nichts mehr miteinander, weil es sowieso nur in lautstarkem Gelächter geendet hätte. Da erinnere ich mich auch noch an Rambo mit Gerrit. Wir lagen drin vor lachen, ne?
Alexej, der sich einen nackten Mann hinter dem Kinovorhang vorstellte oder Posaunen mag, Rene der verzweifelt versuchte beim Kartenspiel zu be******** und Seb, der immer nur verlor, weil er die Zeichen nicht sah.
Wir sind Freunde geworden. Die beiden sind mir ans Herz gewachsen. 3 Wochen Seminar in Deutschland und fast ein Jahr in Neuseeland schweißen zusammen.
Nachdem René auch noch Psychologie in Heidelberg studieren möchte, ist natürlich alles vorbei.
In einem Jahr kann so einiges passieren. Opa Heinz ist gestorben, Oma Marianne war im Krankenhaus, Tiger ist in der ersten Woche gestorben, Paulinchen geboren, Zoe hat schon Konfirmation und jetzt ist Tantchen auch noch gestorben. Manchmal kann ein Jahr schon lang sein.
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