Montag, 10. Mai 2010




Wie anders ist anders? Ziemlich anders.

Neuseeland hat für den Durchschnittstouristen wohl einiges zu bieten. Da kann man sich einfach nicht beschweren. Das Land für einige Wochen zu bereisen, lohnt sich auf alle Fälle. Hier zu leben, ist jedoch etwas völlig anderes. Aus Traum wird eben doch Wirklichkeit. Und vor der steht man jeden Tag in Form einer Schulklasse oder in Form von zahlenden Gästen im Restaurant.

Versteht mich bitte nicht falsch. Wir haben uns hier prächtig eingelebt. Haben so etwas wie einen Bekanntenkreis aufgebaut, mit Kupe einen Freund gefunden, Vici hat ihr eigenes „Reich“ und die Arbeit in der Schule überfordert mich nun wirklich nicht. Wir unternehmen einiges und schließlich bekommen wir ja auch regelmäßig Besuch.

Und irgendwie zählt man dann doch die Tage. Am Anfang stolz die Wochen, die man schon in Neuseeland verbracht hatte, irgendwann die Monate und schließlich die Tage bis zum Abflug. Immer öfter hört man sich plötzlich sagen: „Oh sorry, I won’t be here then.“

Es ist noch zu früh, um ein wirkliches Fazit ziehen zu können, doch früh genug um zu sagen, dass wir wohl beide nicht hier leben könnten. Dazu sei gesagt, dass ich hier noch keinen „Langzeittouristen“ getroffen habe, der dies von sich behauptete.

Es ist nun einmal einfach am A**** der Welt. Und ja, das merkt man. Die all zu verhassten Steuerprobleme Deutschlands oder der spießige Herr Westerwelle im Fernsehen? Man vermisst diese Nachrichten (gut, vielleicht nicht Herrn Westerwelle), man vermisst das Große. Auch hier gebe ich zu, dass Baden-Baden sicherlich nicht zu den Weltzentren gehört. Doch immerhin weiß man doch wo Amerika liegt und wie lang ein Meter ist.

Ich bringe dieses Beispiel gerne: Versuche mal von Neuseeland aus das nächste große Nachbarland zu erreichen. Richtig. Australien. 2500 km. 3 Stunden Flug. Da bist du einmal, über komplett Europa geflogen.

Einiges haben wir gelernt. Eines davon ist, wie gut wir es doch in Europa haben. Und ich habe mich selten so verbunden gefühlt mit Europa, wie ich es hier tue.

Was macht ein Amerikaner nach seinem Highschool-Abschluss? Er macht eine zweiwöchige Tour durch 20 Länder Europas. Mehr oder minder eine ausgedehnte Busfahrt.

Wovon träumen erwachsen werdenden Kiwis? England. Einmal ein Chelsea Spiel live im Stadion sehen.

Sie sind stolz hier. Stolz auf ihre „Geschichte“. Und ja die „“ sollen da sein und ich kann nicht ohne ein schmunzeln davon reden. Ein Land, das 150 Jahre alt ist, kann ja schließlich nicht anders. Die Maorikultur wird hochgepuscht. Zum Touristenrenner gemacht. Speere, Pfeile, Häuser, Boote, Decken, Netze... alles was das Kultur (be)dürftige Herz begehrt.

Na aber, aber Herr Siehl. Ist es denn wirklich so schlimm?

Wer denkt, ich möchte Neuseeland schlecht reden, der versteht mich falsch. Oft denke ich an die Worte von Sarah beim Seminar letzten Sommer in Deutschland. Das Kulturschockmodel. Es existiert. Wir sind verdammt noch mal verwöhnt. Und anders ist dann nun meistens eben in unseren Augen schlechter.

Die Menschen sind nett. Mehr sogar. Sie sind freundlich. Was man von der Mehrheit der Deutschen leider nicht behaupten kann. Von der Lockerheit könnten wir uns etwas abschneiden. Aber alles ist relativ.

Das Wanganui City College und Wanganui als solches ist wohl besonders. Hohe Kriminalitätsrate, hoher Anteil an Maoris, viel Drogenkonsum.

Im Lift der Schule hat ein Schüler geraucht, an die Wand eines Klassenzimmers wurde Graffiti gesprayed, fünf kids kamen völlig stoned in die Schule.

Es ist nicht die Schule, nicht das System. Es ist die Gesellschaft. Sie erlaubt Ihnen das, unterstützt es und entschuldigt es. Gangs, Armut, Faulheit, Stolz...

Hier zu leben? Wir könnten es nicht. Eine unvergessliche Erfahrung? Definitiv.

4 Kommentare:

  1. heyhey,

    egal was, wie und wo man dinge erlebt...egal wieviel dieser erlebnisse von guter/schöner natur sind...am ende sagt jeder jedem doch das gleiche: Daheim ist´s nun mal am schönsten ;)

    man ist aber danach immer reicher an erfahrung und stolz, ein jahr im fremden land...RESPECKT :)
    gut ist noch bisschen hin, aber im endeffekt ists ein jahr :D

    wunsche euch zwei trotzdem weiterhin viel erfolg auf eure "letzten" tage am A**** der welt ;)

    lg maddin

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  2. Wir zählen die Tage und freuen uns auf euch!

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  3. ich glaube de Routine ist es was dich die tage zählen lässt. und die kommt leider überall irgendwann. aber in wanganui kann man ihr leider ganz und gar nicht entfliehen. aber naja, knapp 50 tage,d as geht schneller al sman denkt. stay on track :) ich denk an euch

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  4. leben heißt erfahrung sammeln. und davon hast du/habt ihr jetzt eine ganze menge!
    Raus aus der behütetend Umgebung. Es kann ja nicht Überall VW, Paulaner und Wäschekörbe geben.
    Rein ins Leben.

    Genießt die Zeit, genießt die Erfahrung, genießt das Leben :)

    Viele Liebe Grüße,

    Nils

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