Montag, 3. Mai 2010




Zur Abwechslung dachte ich, dass ich euch mal nach eurer Meinung frage:
Schließlich geht es bald an das Bewerben und dafür hier mal ein Motivationsschreiben für Psychologie. Alle Vorschläge zur Verbesserung sind gerne gesehen.

Ein Zugreisender mit großen Plänen:

Wie kommt man auf die Idee Psychologie zu studieren. Na gut mögen sie sagen. Da gibt es genügend Gründe und vermutlich vor allem Hintergründe.

Das Helfersyndrom von dem ich bei mir gar nicht erst anfangen möchte. Die Arbeit mit Menschen, wobei man diesen wohl schlecht aus dem Weg gehen kann. Somit von mir auch gern als die Begründung für meinen Supermarktjob herangezogen.

Da wäre schließlich auch noch die all zu beliebte Selbstfindung. Doch vermutlich wird man sich viel eher verlieren, bevor man sich ganz wo anders wieder als Suchenden wahrnimmt.

Meine Motivation für Psychologie: Bahnhöfe. Wenn es nach mir geht die schönsten Plätze auf dieser Welt. Bahnhöfe. Sicherlich haben sie es neuerdings nicht mehr so leicht gegen die auch sehr reizvollen Flughäfen anzukommen. Doch ich bleibe bei meiner Liebe für die Zugstationen.

Nicht nur Menschen aller möglicher Herkunft findet man hier, sondern auch Menschen in jeder Gemütsverfassung. Begrüßungen, Abschiede, Vorfreude, Wut, Spaß, Frust, Erleichterung, Ausgelassenheit, Offenheit, Zuversicht, Hoffnung und nicht zu letzt die Liebe. Gut, mögen sie sagen. Das kann ich auch wo anders erleben. Wo?

Als erfahrener Zugfahrer kann ich Ihnen nur sagen, dass es nichts schöneres gibt, als einen verspäteten Zug. Die Emotionen, die eine umspringende Anzeigetafel und eine sanfte Frauenstimme aus den Lautsprechern auslösen kann ist enorm.

Der Mensch ist kompliziert und wird doch so oft auf seine Triebe reduziert. Die wir doch nicht zuletzt oft genug versuchen zu unterdrücken.

Haben sie schon einmal in einem Zug gesessen mit 200 Fussballfans? Sofern sie einer davon sind, bitte ich um Verzeihung für meine fehlende Begeisterung an diesem Sport. Daneben ein altes Pärchen händchenhaltend mit zufriedenem Gesichtsausdruck, vorne eine Frau, die verzweifelt versucht zu telefonieren und ihrem Partner die Verspätung zu erklären. Nebenan drei Jugendliche in dunkler Kleidung und buntem Haar. Direkt hinter mir ein Bauarbeiter, der im Schlaf murmelnd eine Geschichte erzählt. Für den einen der Moment den MP3-Player zu zücken oder gar doch noch das interessante Kapitel im aktuellen Roman fertig zu lesen. Doch was gibt es spannenderes als Menschen?

Nennen sie mich einen Sammler. Einen Sammler von Emotionen. Einen Sammler von Situationen, einer der das Leben versucht erklärt zu bekommen.

Die Seelenkunde. Psychologie. Die Beobachtung ist der Anfang, das Verstehen der Weg und das Erlernen das Ziel. Den Anfang habe ich gemacht. Den Weg werde ich mein Leben lang beschreiten, das Ziel ist seit Jahren gesetzt.

Sagt nicht: „Ich habe den Weg der Seele gefunden.“

Sagt: „Ich bin auf meinem Weg der wandernden Seele begegnet.“

Denn die Seele wandelt auf allen Wegen.

Die Seele geht keinen geraden Weg, noch wächst sie wie ein Schilfrohr.

Die Seele entfaltet sich, gerade so wie ein tausendblättriges Lotos.

... Ihr möchtet mit euren Fingern den nackten Leib eurer Träum begreifen.

Und das ist auch richtig so.

(„Der Prophet“-Khalil Gibran)


P.S.: Danke Tami für das tolle Buch. Von Khalil Gibran kann man viel lernen.



2 Kommentare:

  1. hallo :)
    gerade wollt ich euch schreiben, ob ihr etwa die würmer samt kompost geklaut habt, da in wellington, oder ob es überhaupt noch gibt ;), da erblicke ich diesen wunderbaren neuen eintrag und musste ihn natürlich ausführlichst begutachten, schließlich dreht er sich um die gute psychologie :)
    vorneweg: an welcher uni braucht man denn ein motivationsschreiben? bei mir ging das alles erstmal so. dafür später ein persönliches gespräch ;)
    ich muss sagen, der text hat mir gefallen. ich meine, ich kann sehr gut verstehen, was du da meinst und schilderst :) nur ist er meiner meinung nach bisschen zu philosophisch, wobei das jetzt kein fehler sein muss, denn schließlich kann das eine ohne das andere nicht, man denke nur an erich fromm, um nur einen namen zu nennen. ich finde deine herangehensweise, so etwas zu verfassen, durchaus interessant, dennoch wirkt es beim lesen stellenweise ein bisschen zu überheblich..also so sätze wie "nennen sie mich" oder so^^ (weiß schon, wie der satz gemeint ist, aber kommt so rüber),ist nicht böse gemeint ;) würd das vll umändern in "möglicherweise ensteht nun der eindruck" oder iwie sowas neutraleres. finde ansonsten die thematik ganz passend, also dass du den alltag so rausgreifst und den blickwinkel auf das "psychologische" einstellst, wobei dieser noch etwas oberflächlich oder vielleicht eindimensional ist, eben nur meist Mimik und Emotion. würde evtl noch einen größeren rundumschlag durch die gebiete der psychologie machen & bisschen mehr "wissenschaftliches" reinpacken, dann wissen die, dass du ahnung davon hast, was dich im studium auch wirklich erwartet :))
    kennst du das, wenn man einen text liest, und man erwartungen hat, was wohl im nächsten satz folgt?^^
    als ich den text gelesen hab, dacht ich, dass bei der einen stelle "...oder gar doch noch das interessante Kapitel im aktuellen Roman fertig zu lesen." jetzt was kommt. sone metapher oder so, dass der mensch ja sowas wie ein buch ist, dessen signale man durchaus lesen kann, aber wie man es interpretiert oder immer die sache des lesers/gegenübers ist. iwie so ^^ vll ist es auch bisschen komisch aber ist mir iwie eingefallen :)
    ansonsten hab ich den text wirklich mit gefallen gelesen, weil er auch gut aufgebaut ist und du nicht gleich mit der tür ins haus fällst, sozusagen ;)
    ich hoffe, meine kritik konnte dir bisschen weiterhelfen :-)
    allerbeste grüße an euch zwei da drüben =)
    franzi

    AntwortenLöschen
  2. Ja aber hallo. Vielen Dank liebe Franzi. Hat mich echt gefreut, dass du mir so viel konstruktive Vorschläge gemacht hast. Werde die versuchen in den nächsten Tagen mal einzubauen. Nur weiter so.

    AntwortenLöschen